MOTIVATIONSGESCHICHTE: Eigene Wege gehen II

Manchmal merken wir plötzlich, dass die Ziele, die wir verfolgen, gar nicht unsere eigenen sind. Dass der Weg, den wir gehen, nicht zu uns selbst und zu dem passt, was wir uns für unser Leben wünschen. Unserem Leben eine neue Richtung zu geben, ist aber oft gar nicht einfach und erfordert auch Mut. Vor allen Dingen, wenn die erforderlichen Änderungen solche sind, die "die Gesellschaft", das System oder/und das eigene Umfeld nicht anerkennen und unterstützen oder wenn einem der neue Weg nicht zugetraut wird, da man vielleicht nicht die besten Voraussetzungen dafür hat. 

Die zweite Motivationsgeschichte hat Isa von "Wunder heute ausverkauft" geschrieben. Sie hat kurz vor dem Abitur die Schule abgebrochen um ihren eigenen Weg zu gehen.
(Zum ersten Post dieser Art gelangt ihr hier)



Es war ein kalter Januarmorgen, als alles anders wurde. Zumindest dachte ich, dass es kalt sei. 600 km weiter und 7 Stunden später würde es nochmal um einiges kälter sein. Aber anders auf jeden Fall. Denn ich hatte eine radikale Entscheidung gefällt: Die Schule wenige Monate vor den Abiturprüfungen abbrechen, einen Koffer packen und ohne Job oder Wohnung oder Sicherheit in eine fremde Stadt aufbrechen. Ein guter Freund versprach mir, mich eine Weile aufzunehmen. Verrückt angesichts der Tatsache, dass weder er noch ich wissen konnten, dass es nur eine Woche dauern würde, bis ich Wohnung und Praktikumsvertrag haben würde. Aber nun erstmal der Reihe nach:

Mein Leben verlief ganz vielversprechend. Kindergarten, Grundschule, Gymnasium. In Aussicht ein eins-Komma-Abi, eine FSJ-Stelle im Ausland, alles so, wie es sein soll. Wäre da nicht eine Kleinigkeit falsch gewesen: Ich war nicht glücklich. Ich habe mich fremdbestimmt gefühlt, eingesperrt, als hätte ich keine Wahl. Und es ging mir so schlecht damit, dass ich psychisch krank wurde. Verstanden habe ich das damals nicht. Auch sonst niemand. War doch alles gut, mein Leben war doch in Ordnung. Keine traumatischen Erlebnisse, keine überdurchschnittlich schlimmen Erinnerungen, kein Grund also sich so aufzuspielen. Und ich habe wirklich lange versucht, so zu tun, als sei alles okay. Doch im letzten Schuljahr, so kurz vorm Ziel, fing ich plötzlich an, die Schule zu schwänzen. Meine Noten wurden immer schlechter, ich immer genervter von mir selbst und den Menschen um mich herum. Meine Unzufriedenheit über den Verlauf meines Lebens habe ich an all den Leuten ausgelassen, die mir nahe waren. An Weihnachten dann die Einsicht – es kann nicht so weiter gehen. Familienfest, alle glücklich – nur ich fast am Heulen, weil ich mich mit mir selbst nicht mehr wohl gefühlt habe. Gesagt habe ich zunächst nichts, zu groß die Angst vor Unverständnis und Ablehnung.

Es hat nur zwei kurze Nachrichten gebraucht bis ich einen Schlafplatz bei einem guten Freund hatte. Er wohnte in Halle (Saale), eine Stadt von der ich davor noch nie irgendwas gehört hatte. Ich hatte keinen Plan, als ich ihm gesagt habe, dass ich zu ihm kommen würde. Ich hatte keine Antwort, als die Lehrer in meiner Schule sagten, dass ich verrückt sei und was ich denn jetzt machen wolle, so ohne Schulabschluss. Meine Mitschüler tippten abwechselnd auf heimliche Schwangerschaft, Hochzeit oder Drogenproblem. Übel nehmen konnte ich ihnen das nicht, schließlich verstand ich mich selbst nicht mehr. Das einzige, woran ich mich klammern konnte: Dieses eine Gefühl, diese tiefe Überzeugung, dass eine radikale Veränderung das Richtige sein würde. Dass es mir besser gehen würde. Dass ich genau das brauchte. Und das ist wohl die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe: Es ist so oft das beste, einfach auf seine Intuition zu hören. Man weiß oft sehr genau, was einem gut tut – man muss nur zuhören.

Die Zugfahrt bis nach Halle war verrückt. Nicht wegen der Fahrt selbst, es war eine der wenigen Fahrten mit der Deutschen Bahn, bei denen mal alles gut gelaufen ist. Nur wegen des Gefühls, dass sich in meiner Magengegend ausgebreitet hat. Eine Mischung aus Angst, riesig großer Angst, Ungewissheit, Zweifel und so viel Erleichterung. Mit jedem Kilometer, den ich mich von meiner Heimatstadt entfernte, wurde mein Herz leichter. Und meine Überzeugung, dass meine Intuition mir den richtigen Weg zeigen würde, hat sich als richtig heraus gestellt. Nach drei Tagen und wenigen Besichtigungen in der neuen Stadt hatte ich schon einen Mietvertrag in der schönsten WG. Eine Woche später den Vertrag für ein einjähriges Praktikum, mit dem ich dann auch meine Fachhochschulreife erhalten habe. Es hat sich alles irgendwie ergeben. Es hat sich alles irgendwie richtig angefühlt. Und nach und nach ging es mir wieder besser, ich wurde wieder glücklicher, ich wusste wieder, wer ich eigentlich bin.

Nach diesem berauschendem Jahr folgte wieder Chaos. Ein Job nach dem anderen, viele Umzüge, drei Städte in zwei Jahren. Ich war rastlos und planlos. Und es hat insgesamt wieder drei Jahre gedauert, bis ich irgendwo angekommen bin. Jetzt bin ich 21, zurück in meiner Heimatstadt und hole mein Abitur nach. Manch einer schüttelt den Kopf darüber. Warum nicht gleich so?, werde ich oft gefragt. Und ja, ich hätte schon vor Jahren die Prüfungen machen können. Aber was bringt mir ein Abitur, wenn ich keine Ahnung habe, was ich damit machen will? Ja, ich hätte den direkten Weg gehen können. Mir all die Umwege und Krisen ersparen. Auf all die Leute in meinem Umfeld hören. Aber dann wäre ich jetzt vermutlich nicht halb so glücklich, wie ich es bin. Ich liebe jeden der kleinen und großen Umwege, die ich gegangen bin. Denn jeder hat mir etwas mehr über mich selbst beigebracht. Ich habe gelernt, auf mein Gefühl zu hören und Konsequenzen zu tragen. Ich treffe jetzt freie Entscheidungen und kann drüber stehen, wenn jemand das doof findet. Und am wichtigsten: Ich habe ein Ziel gefunden. Aus jeder Stadt in der ich gewohnt habe, habe ich etwas mitgenommen. Von jedem Menschen, der mir auf meinen Wegen begegnet ist, habe ich etwas gelernt. Und jetzt weiß ich, wo ich hin will. In meinem Kopf hat sich über all diese Zeit ein immer deutlicheres Bild von meinen Träumen gestaltet. Und die erfülle ich mir jetzt. Denn das funktioniert ganz wunderbar, wenn man einfach mal das tut, was sich richtig anfühlt.

Was ich damit sagen will: Vernünftig sein ist nicht immer gut. Genauso ist der einfache Weg oft nicht der richtige. Wenn du etwas erreichen willst, musst du dafür arbeiten. Und wenn du nicht glücklich bist, dann musst du etwas ändern – so lange, bis du glücklich bist. Denn kein Schulabschluss oder Job dieser Welt ist es wert, dass man sich dafür selbst kaputt macht. Es gibt immer eine Alternative. Und es wird dich niemand dafür hassen, wenn du sie mal ausprobierst!

GEDANKEN: body-shaming

Kann man es als Fakt bezeichnen, dass der Großteil der Bevölkerung nicht zufrieden mit seiner eigenen Figur ist? Ich habe keine Umfrage durchgeführt, aber ich denke schon, dass das so zutrifft. Traurigerweise. Ich kenne niemanden, der mit seinem Körper so wirklich im Reinen ist. Das höchste der Gefühle scheint die Aussage "Also im Groooßen und Ganzen ist es schon okay so. Aber..." zu sein, bevor anschließend eine Aufzählung der vermeintlichen Problemzonen folgt. 

Woran liegt das? Ich habe das Gefühl, dass in meiner Generation mit der Pubertät die ersten Zweifel kamen - heutzutage wahrscheinlich schon im Grundschulalter - und diese sich nie mehr so richtig ausmerzen ließen. Und dabei schließe ich mich selbst nicht aus. Irgendwann spukten sie vielleicht nicht mehr täglich im Kopf umher, wurden etwas leiser und traten nur noch in besonders sensiblen Phasen auf - aber ganz weg? 

Oft wird der Werbung Schuld daran gegeben und zu dünnen Models. Da stimme ich zwar nicht so ganz mit überein, schließlich gab es Essstörungen schon vor Hunderten von Jahren. Aber ich kenne auch keine Frau mit aktuell oder ehemals gestörtem Essverhalten oder auch nur angeknackstem Selbstwertgefühl, die sich Bilder solcher Models ohne Emotionen anschauen kann. Vielleicht sind sie nicht die Ursache, aber einen Verstärker können sie durchaus darstellen.



Vor ein paar Wochen habe ich bei der Modenschau eines international angesehenen Unternehmens mit sehr sehr hochwertiger und teurer Kleidung hinter den Kulissen als Anzieh-Hilfe ausgeholfen, gemeinsam mit ein paar Mädels aus meiner Ausbildung. Es waren circa 20 Models anwesend und ich habe wirklich selten in meinem Leben solche großen und dünnen Mädchen und Frauen gesehen. Wir waren teilweise echt geschockt, wie ungesund sie wirkten und das steigerte sich während der Show beim An- und Ausziehen noch mehr. Den Großteil von ihnen konnte man ehrlich nur noch als Haut und Knochen bezeichnen und irgendwie machte mich das traurig. Versteht mich nicht falsch, mir liegt es ganz fern, sowohl "dünne" als auch "dicke" Menschen zu diskriminieren, aber es war einfach gar nicht anders möglich, an der Gesundheit der Models zu zweifeln. Ich muss wohl auch nicht erwähnen, dass unter uns Anzieh-Hilfen nicht nur ein Mal der Satz "Irgendwie fühle ich mir hier so klein.. und dick." fiel. 

Vor dieser Show hatte ich mich ewig nicht mehr wirklich tiefgründig mit der Modelszene und allem, was so damit zusammen hängt, beschäftigt. Vor vielen Jahren schon hörte ich mal etwas von einer BMI-Grenze und sah auch normal-gewichtige Models im H&M-Katalog. Lang lang ist es her, dass ich sogar mal die Autobiographie eines Plus-Size-Models gelesen habe und irgendwie dachte ich wohl, dass sich das inzwischen bestimmt alles gelegt hätte mit dem wahnsinnigen Gedanken, ein Model müsse so dünn wie irgend möglich sein. Aber auch heute noch ist es eher etwas außergewöhnliches, ein normal-gewichtiges Model irgendwo zu sehen. So stellt der Otto-Blog beispielsweise Curvy- und Plussize-Models wie Anouschka Geyer vor - ein meiner Meinung nach unglaublich ausdrucksstarker Typ -, um zu zeigen, dass Schönheit auch Vielfalt bedeutet. Das finde ich super und ich würde definitiv alle Kampagnen und Projekte mit diesem Ziel unterstützen.

Trotzdem frage ich mich, wann oder ob überhaupt jemals eine Zeit kommen wird, in der es gar nicht mehr nötig ist, darauf hinzuweisen, dass nicht nur das eine oder das andere Extrem seine Daseinsberechtigung hat, sondern beides und auch alles dazwischen. In der es ganz selbstverständlich ist, in Zeitschriften, im Fernsehen und auf Laufstegen alle erdenklichen Körperformen zu sehen, und sich dabei nicht zu denken "Oh, das finde ich toll, dass man da nicht immer nur das Gleiche sieht" - einfach, weil es dann vielleicht normal ist.

Advents-Verlosung: Kalender 2015

Quelle: Eigenwerk-Magazin


Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich in diesem Moment noch sowas von gar nicht weihnachtlich unterwegs bin. Die Wohnung sieht aus wie immer (und so wird es auch bleiben, wie ich uns kenne), über Geschenke habe ich mir noch GAR keine Gedanken gemacht und auch mit den alljährlichen Blogger-Adventskalendern habe ich nichts am Hut. 

Aber darunter müsst ihr ja nicht leiden!

Deshalb gibt es heute ein Mini-Giveaway für euch. Gewinnen könnt ihr den wunderschönen Eigenwerk-Kalender für das neue Jahr. 

Wenn euch grafische Muster und das Zusammenspiel verschiedener Strukturen gefallen, ist er sicher genau das Richtige für euch! Die einzelnen Kalenderblätter könnt ihr euch anschauen, wenn ihr oben auf den Link klickt!

Hinterlasst einfach bis nächsten Sonntag 20 Uhr einen Kommentar mit eurer Emailadresse und ihr seid im Lostopf. Ich wünsche euch noch einen schönen ersten Advent! 

LIFE: Der ehrlichen Finderin

Donnerstag, der 20. Nov, nachmittags. Missmutig und widerwillig erhob ich mich von der Couch. Ich hatte mich gerade warm eingemummelt als mir einfiel, dass ich noch zur Post muss. Und auch der Einkauf stand noch an. Ich hasse einkaufen, vor allen Dingen, wenn ich es alleine machen muss. Es macht mich bestimmt nicht sympathisch, aber ich mag weder die plärrenden Kinder im Supermarkt, noch die lange Schlangen und außerdem macht mich der Verkauf von Weihnachtsprodukten vor Dezember irgendwie aggressiv. Aber es muss ja sein. Also packte ich meine letzten verkauften Artikel von Kleiderkreisel ein, zog mich an, schnappte mir die Einkaufstüten und mein Portemonnaie und überlegte kurz, ob ich nicht doch lieber meine Tasche mitnehmen sollte. Als ich mich aber in Gedanken mit den vollen Tüten den viel zu langen Weg zur Wohnung hochächzen sah, ließ ich sie lieber stehen, nahm die Pakete und klemmte mein Portemonnaie unter den Arm. Auf gehts.

Tüten in den Kofferraum, Pakete auf den Beifahrersitz. Zehn Minuten Fahrt und ein paar weitere für die Parkplatzsuche später und ich stand neben drei anderen Vollbepackten vor der verschlossenen Postfiliale. "Aufgrund einer Betriebsfeier am 20. November ..." Toll. Danke. Da stand ich, mit meinen blöden Päckchen, deren blöden Artikel-Preise wegen des blöden neuen Bezahlsystems von Kleiderkreisel um ungefähr 130% reduziert wurden und eigentlich nicht mal die Zeit des Einpackens Wert waren, geschweige denn den verfahrenen Sprit. Mein Blick verfinsterte sich noch ein bisschen mehr, wenn das denn überhaupt möglich war. "Aber hey, ich hab ja Zeit und Geld genug und deshalb macht es mir natürlich gar nichts aus, morgen einfach nochmal zu fahren." Mit diesen Gedanken ging ich zurück zum Auto, stieß dabei an einen Pöller und musste mich zurückhalten, nicht einfach auch noch dagegen zu treten. Misttag.

Wisst ihr, es war so ein Tag, an dem man sein Spiegelbild anschaut und sich am liebsten laut fragen würde: "Wer bist du überhaupt? Was machst du hier?" Der Winter macht mich zu einem eledigen Grummeltier, das keinen Sinn im Leben sieht - und dabei hat er ja noch nicht mal richtig angefangen. Ich saß jetzt im Auto und eigentlich war ich in der besten Stimmung dazu, einfach ein bisschen zu weinen. 

Stattdessen atmete ich tief ein, hielt kurz die Luft an, und bog auf den Kaisers-Parkplatz ab. 
Atmete aus, ein letzter prüfender Blick in den Spiegel und die Fassade wieder aufgesetzt. 
Zog die Handbremse, den Hebel für den Kofferraum und tastete nach meinem Portemonnaie auf dem Beifahrerplatz.
Und tastete. Und tastete. 
Und schaute im Fußraum. Und schaute auf der Rückbank. Und im Kofferraum. Und in den Tüten. Und dachte mir nur: Nein. Nein, nein. Nein, nein, nein. Einfach nein. Aber das brachte mein Portemonnaie auch nicht dahin, wo es hingehörte. Es war eindeutig weg. Und mit ihm meine kurz zuvor erarbeiteten 90 Euro und all meine Karten.



Wenn ich ehrlich war, wusste ich nicht mal, ob ich es auf dem Weg zur Post überhaupt noch hatte. Vielleicht war es auch schon zu Hause auf dem Weg zum Auto verloren gegangen. Aber ich hatte nicht mal ein Handy mit, um kurz den Mann daheim anzurufen und zum ersten Mal verfluchte ich mich dafür, nicht eins dieser süchtigen Smartphone-Kids zu sein. Und dann fiel mir der Pöller ein, dieser blöde Kack-Pöller, gegen den ich gerannt war. Und ich hätte mir am liebsten ins Gesicht geschlagen, als mir auch noch klar wurde, dass ich mich sogar noch umgedreht hatte um halbherzig zu überprüfen, ob mir etwas runtergefallen war. Ich Mistkäfer. 

Nachdem ich die Tränen zuvor zurückhalten konnte, geling mir das jetzt nicht mehr ganz so gut. Ich fuhr zurück, fragte in umliegenden Geschäften, ob es vielleicht abgegeben wurde, aber außer mitleidigen Blicken erhielt ich nur Kopfschütteln. Ich überlegte, ob ich zur Polizei fahren sollte, sah aber keinen Sinn darin und entschied, lieber zur Bank zu fahren, um meine Karte sperren zu lassen. Wenn sie denn überhaupt noch offen hatte, es war inzwischen halb sechs. Was ich gar nicht bedacht hatte, war, dass ich auf dem Weg zur Bank eh an der Polizei vorbeifahren musste und warum sollte ich mein Glück nicht doch versuchen?
Mit der Wimperntusche in den Kniekehlen stand ich also fünf Polizeibeamten gegenüber und auf die Frage, ob nicht zufällig ein Portemonnaie abgegeben wurde, entgegnete man mir "Doch doch, Frau Heisters. Ist es!" 

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie erleichtert ich war. Da bin ich den ganzen Tag so miesepetrig unterwegs gewesen und habe mir schon vorgestellt, was der gemeine Finder mit meinem Geld so alles anstellt und dann war es einfach innerhalb von nicht mal zwanzig Minuten von einer älteren Dame abgegeben worden. Nach einer Standpauke vom ältesten Polizisten und der dringenden Empfehlung, der Dame persönlich zu danken, erhielt ich ihre Adresse. Und plötzlich war ich froh über die Weihnachtssüßigkeiten im November, denn ich kaufte die größte Packung davon für Frau P., und plötzlich konnte ich die plärrenden Kinder an der langen Schlange anlächeln, denn kurz zuvor hab ich mich ungefähr genauso aufgeführt, wenn auch heimlich im Auto und nicht in aller Öffentlichkeit. 

Ich schrieb ihr noch eine Karte, meiner Alltagsheldin, mit dem Hinweis, dass sie sich unbedingt melden sollte, wenn sie jemals meine Hilfe bräuchte, deponierte ein paar Scheine in der Schokoladen-Verpackung und fand mich schließlich vor ihrer Tür wieder. Mir öffnete eine unheimlich nette Frau P. die Tür, die mir sagte, wie Leid es ihr für mich tat, mir etwas von Karma erzählte und dass ich sicher auch ein ehrlicher Mensch sei und als mir vor lauter Dankbarkeit wieder die Tränen kamen, weinte sie fast mit. 

Als ich das letzte Mal für diesen Donnerstag im Auto saß, schalt ich mich ein bisschen für meine negative Einstellung, die ich an den Tag gelegt hatte. Nicht nur an diesem Tag, nein, um ehrlich zu sein schon die ganzen letzten Wochen. Eigentlich hatte ich das nun gar nicht verdient. Aber vielleicht wollte mir das Leben auch nur auf eine ganz besonderes Art und Weise zeigen, dass es sich doch immer lohnt, ans Gute zu glauben.

LIFE: Modenschau / Pfauenkleid

Obwohl der Tag der offenen Tür und damit auch die Modenschau schon über eine Woche her ist, habe ich jetzt erst die Motivation dazu gefunden, diesen Post zu erstellen und euch die Bilder unseres Kleides zu zeigen. Die Projektwoche und auch schon die Woche davor waren derart nervenzehrend, dass ich die Woche wirklich gebraucht habe um einfach mal nur zu sein und nichts zu tun. 

Im Endeffekt war es natürlich auch wirklich schön, eine Woche lang einfach nur selbstständig am eigenen Projekt zu werkeln. Josephine und ich haben definitiv die richtige Entscheidung bezüglich unserer Zusammenarbeit getroffen: schon beim Entwurf hatten wir quasi zeitgleich ähnliche Ideen, waren uns nie wirklich uneinig und auch beim Nähen haben wir uns perfekt ergänzt. Als das Kleid fertig war, waren wir stolz wie Bolle und als ich meine Lieblingsfreundin (wir nennen uns übrigens liebevoll Joseph und Lenni) schließlich in u.n.s.e.r.e.m Kleid den Laufsteg zu Lykke Li's "rest for the wicked" entlangschreiten sah, sind beinah ein paar Tränen geflossen. 

Ein bisschen kitschig ist es geworden, unser Pfauenkleid - aber das hält mich nicht davon ab, es abgöttisch zu lieben, im Gegenteil! Dabei fällt mir gerade eine Studie ein, die besagt, dass man sein eigenes Selbstgemachtes immer viel schöner findet als alle anderen. Wenn ihr jetzt Kritik übt, muss ich dann wohl anfangen zu weinen!