LIFE: Modenschau / Pfauenkleid

Obwohl der Tag der offenen Tür und damit auch die Modenschau schon über eine Woche her ist, habe ich jetzt erst die Motivation dazu gefunden, diesen Post zu erstellen und euch die Bilder unseres Kleides zu zeigen. Die Projektwoche und auch schon die Woche davor waren derart nervenzehrend, dass ich die Woche wirklich gebraucht habe um einfach mal nur zu sein und nichts zu tun. 

Im Endeffekt war es natürlich auch wirklich schön, eine Woche lang einfach nur selbstständig am eigenen Projekt zu werkeln. Josephine und ich haben definitiv die richtige Entscheidung bezüglich unserer Zusammenarbeit getroffen: schon beim Entwurf hatten wir quasi zeitgleich ähnliche Ideen, waren uns nie wirklich uneinig und auch beim Nähen haben wir uns perfekt ergänzt. Als das Kleid fertig war, waren wir stolz wie Bolle und als ich meine Lieblingsfreundin (wir nennen uns übrigens liebevoll Joseph und Lenni) schließlich in u.n.s.e.r.e.m Kleid den Laufsteg zu Lykke Li's "rest for the wicked" entlangschreiten sah, sind beinah ein paar Tränen geflossen. 

Ein bisschen kitschig ist es geworden, unser Pfauenkleid - aber das hält mich nicht davon ab, es abgöttisch zu lieben, im Gegenteil! Dabei fällt mir gerade eine Studie ein, die besagt, dass man sein eigenes Selbstgemachtes immer viel schöner findet als alle anderen. Wenn ihr jetzt Kritik übt, muss ich dann wohl anfangen zu weinen! 





LIFE: Projektwoche & Modenschau

Ein wenig ruhig war es hier die letzte Woche und das hat natürlich auch einen Grund: ich stecke gerade mitten in den Vorbereitungen für unsere (ausbildungsbedingte) Modenschau am Samstag. Der schließt an unsere derzeitige Projektwoche an, in der wir lauter schöne Kleider zu verschiedenen Themen nähen, die dann gezeigt werden. Ich freu mich tierisch! - womit ich jetzt die perfekte Überleitung zu meinem Thema gefunden habe, höhö. Ich bin nämlich in der Tier-Gruppe (bitte denkt nicht gleich an Karnevals-Kostüme, sondern eher an Maskenball-Niveau) und nähe mit Josephine ein Kleid, das einen Pfauen darstellt. Ich lass euch nun einfach mit ersten Eindrücken allein, ich bin nämlich schon ziemlich K.O. Ich hoffe, ich kann euch die Tage Bilder vom fertigen Kleid und der Modenschau zeigen :) Und wer aus der Nähe ist: kommt vorbei! Hier findet ihr Infos, wenn auch eher spärlich!






HINTERGRUNDWISSEN BEKLEIDUNG: Fasern - Leinen

Nachdem ihr im letzten Post zu "Hintergrundwissen Bekleidung" etwas über die Baumwolle erfahren habt, ist heute die nächste Naturfaser an der Reihe: Leinen.





Kurze Vorstellung:
Ich bin auch bekannt als Flachs, denn so heißt die Pflanze, von der ich abstamme. Diese kann (wenn für die Faserproduktion relevant) 0,80 bis 1,20 m groß werden und wird nur ein Jahr alt. Seeklima ist für das Wachstum ideal. Es ist etwas ungewöhnlich, aber meine Fasern liegen im Inneren des Pflanzenstängels, deshalb ist die Größe wichtig! Kleinere Exemplare werden daher zur Ölgewinnung genutzt.
Webstoffe, bei denen ich beteiligt bin, erkennt man übrigens häufig an den unregelmäßigen, leichten Verdickungen.

Meine Geschichte:
Ich bin, genauso wie die Baumwolle, nicht mehr die Jüngste. Schon 5000 bis 4000 vor Christus wurde ich beispielsweise in Ägypten angebaut! Ratet mal, wer die Mumien eingekleidet hat.. 


Meine Bedeutung für die Textilindustrie: 
Für die Textilindustrie spiele ich leider nur eine untergeordnete Rolle, dafür bleibt die Faserproduktion sehr konstant bei circa 1,5% weltweit. Das entspricht zwischen 600000 und 700000 Tonnen jährlich.


Meine Haupterzeugungsländer: 
Meine Heimatländer sind unter anderem China, Russland, Ukraine und Frankreich. Jedoch wird auch immer wieder darüber diskutiert, ob sich ein Anbau in Deutschland lohnen würde. 


Meine besten Eigenschaften: 
Als Gewebe verfüge ich kaum über Lufteinschlüsse, fühle mich angenehm kühl an und bin ideal für warme Temperaturen. Auch, weil ich viel Feuchtigkeit aufnehmen und auch wieder abgeben kann. Ich unterstütze euren Körper so bei der Klimaregulierung. Ich bin sehr strapazierfähig und lade mich so gut wie nie elektrisch auf. Ich fluse nicht und bin auch nicht besonders anfällig für Schmutz.

Doch wisst ihr, worauf ich noch ziemlich stolz bin? Meine gute Ökobilanz: egal ob konventionell oder biologisch angebaut, ich schlage die Baumwolle um Längen. Warum? Ich benötige nur circa ein Viertel des Wassers, welches der Anbau von Baumwolle nötig hat!


Meine schlechten Eigenschaften: 
So gut die meisten meiner Eigenschaften auch sind - ich hab einen entscheidenden Nachteil: ich knittere unglaublich und muss häufig gebügelt werden. Auch bin ich nicht ganz so hautfreundlich wie beispielsweise Baumwolle, weil ich ein wenig steifer bin.. 


Mein internationales Zeichen: 
Für mich gibt es sogar zwei Zeichen. Einmal das für Reinleinen (100%) und das für Halbleinen (die Kette des Gewebes darf aus Baumwolle bestehen, der Schuss aber komplett aus Leinen. Der Anteil muss dabei mind. 40% ausmachen) verwendet werden. Auch dürfen Fasern nur als Leinen oder Flachs bezeichnet werden, wenn sei dem Stängel der Pflanze entnommen wurden. Man erkennt es an dem abgerundeten "L" (Klick)



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Als Quellen dienten mein Kopf, das Buch "Fachwissen Bekleidung", diese Grafik und Virtuelles Wasser 

GREEN FASHION: Hess Natur

Ich war ja wirklich, wirklich lange nicht mehr auf irgendwelchen Blogger-Events. Seit ich mich ein bisschen aus der ganzen "Blogosphäre" rausgezogen habe - und das ist nun über 1.5 Jahre her - habe ich einfach keine Einladungen mehr bekommen, die mich irgendwie interessiert haben. Deshalb habe ich mich echt sehr gefreut, als dann eine Einladung nach Düsseldorf von Hess Natur hereinflatterte. 

Hess Natur bietet schon seit den 70er-Jahren faire Mode aus Naturmaterialien an und ist bisher leider eher hauptsächlich der Generation unserer Eltern ein Begriff. Dabei sind sie längst dabei, sich vom typischen Öko-Image zu verabschieden und haben wirklich schöne Teile in ihrem Sortiment! Preislich kann man sie natürlich - glücklicherweise! - nicht mit Primark und Konsorten vergleichen, wobei ein Basic-Shirt beispielsweise nicht teurer ist als bei H&M!

Zunächst wurde uns das Unternehmen ein wenig vorgestellt. Die drei dafür zuständigen Damen, die ihr auf dem nächsten Foto sehen könnt, waren sehr offen für allerlei - auch kritische - Fragen. So haben wir einiges über die Produktionsbedingungen und die Materialien erfahren: Hess Natur steht beispielsweise zu allen ihren Produzenten in sehr engem Kontakt. Kinderarbeit, Diskriminierung oder Chemieeinsatz sind dabei natürlich tabu. Verwendet werden nur natürliche Materialien, hauptsächlich aus kontrolliert biologischem Anbau bzw biologischer Tierhaltung - die einzige Ausnahme stellt Elasthan hedar, wobei die Elasthan-Faser mit Naturfasern ummantelt wird, um Hautkontakt zu vermeiden. Mehr Infos könnt ihr auch noch auf der Internetseite finden!

Ganz im Gegensatz zu den Bloggerevents, bei denen ich früher so war, hatte ich wirklich den Eindruck als würde das Vermitteln der Informationen und die Sensibilisierung für das Thema "Faire Mode" im Vordergrund stehen - und nicht ausschließlich die Vermarktung. Trotzdem wurde auch ganz offen zugegeben, dass Hess Natur bestrebt ist, nun auch jüngeres Publikum zu erreichen und noch weiter weg vom Öko-Image zu kommen und dafür unsere Hilfe nützlich und willkommen ist. Das fand ich sehr sympathisch. Generell war die ganze Atmosphäre sehr familiär und ganz und gar nicht aufgesetzt, wie es bei anderen Unternehmen oft der Fall ist. 




Anschließend erhielten wir die Möglichkeit, uns unser eigenes Zero-Waste-Tshirt zu designen. Beim Zero-Waste-Prinzip werden die Schnitte so konstruiert, dass beim Zuschnitt die gesamte Stoffbreite ausgenutzt werden kann und somit kein Abfall durch Stoffreste entsteht. Das war für mich als Schnitt-Liebhaberin echt super interessant, denn davon habe ich tatsächlich vorher noch nie gehört gehabt. Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich erfahren, dass Hess Natur noch alle Schnitte per Hand macht und schon war ich verliebt :D

Mit kleinen Häppchen, Eis und Live-Musik machten wir uns noch einen netten Nachmittag bevor wir den Abend im "Les Halles" ausklingen ließen. Ich fand es wirklich schön, mal wieder ein wenig unter Bloggern zu sein und war erst nach Mitternacht zu Hause. 

KLEIDERKREISEL WIRD GEBÜHRENPFLICHTIG

Dieser sehr spontane, nicht geplante Post soll als Bekanntmachung dienen und Aufmerksamkeit auf die Sache lenken - er ist nicht von allen Seiten beleuchtet und für Nicht-Mitglieder wahrscheinlich auch nicht gut nachvollziehbar. Ursprünglich sollte es nur ein Facebookpost werden, doch ich denke, er hätte den Rahmen gesprengt. 

Ich möchte nur allen Mitgliedern raten, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen! 

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Wie viele von euch wissen, habe ich Kleiderkreisel bisher sehr gerne genutzt. Zwar ist mir – wie allen langjährigen Mitgliedern – aufgefallen, dass immer mehr „Verschlimmbesserungen“ stattfanden und der ursprüngliche Nachhaltigkeitsgedanke („Stilvoll gegen Verschwendung“) immer neuen Marketingkampagnen (Hauptsache viele, lustige Hashtags!) weichen musste.

Heute aber der Knall, der das Kleiderkreiselforum in einen einzigen Shitstorm verwandelt: noch in diesem Jahr wird ein neues Bezahlsystem eingeführt!

(Bitte unbedingt lesen!)

Ein Bezahlsystem mit drölftrillionen Vorteilen für Käufer, denn die wurden doch bisher immer ale sooo arg betrogen (meine schlechten Erfahrungen lassen sich übrigens in 5 Jahren und bei über 700 Transaktionen an ungefähr 3 Fingern abzählen) – und nur Nachteilen für Verkäufer:

- versicherter Versand sprengt den Warenwert günstiger Produkte: bei einem Produktpreis von 1 Euro müssen bald dank versichertem Versand ca 5 Euro bezahlt werden. Von dem 1 Euro für das Produkt würde dann 10 Prozent + weitere 50 Cent an Kleiderkreisel gehen = 60 Cent für KK, 40 Cent für dich!
-> ursprünglich günstige Artikel landen in der Tonne, dafür immer mehr Quasi-Neuware von H&M, Primark und Konsorten bei Kleiderkreisel, damit sich die Preise überhaupt noch lohnen

- der Verkäufer hat keinerlei Entscheidungsrecht, an wen er seine Artikel verkauft: sobald der Verkaufsbutton geklickt wurde, ist das Teil verkauft – egal, ob ein anderer Käufer es bereits per Nachricht angefragt hat, egal ob der neue Käufer überwiegend negative Bewertungen hat. Verkauft ist verkauft.
-> der Charme des direkten Kontaktes zwischen Käufer und Verkäufer ist dahin. Hello anonymer Secondhand-Onlineshop

- sobald der Käufer (vielleicht der, mit ausschließlich schlechten Bewertungen?) behauptet, der Artikel sei nicht so angekommen wie beschrieben, erhält der Verkäufer keinen Cent – denn er schickt seine Ware schon los, bevor er Geld erhält, das übrigens solange von Kleiderkreisel selbst eingehalten wird, damit auch gleich 10%+50Cent angezogen werden können. Man macht sogar Minus, denn der teure Versand wurde ja schon bezahlt…

- Kleiderkreisel müsste dafür alle sensiblen Daten wie zum Beispiel Kontonummern speichern – finden wir alle richtig super.

Das sind nicht die einzigen Nachteile, nur die, die mir spontan einfallen.


Im Forum ist Krawallstimmung angesagt. Spontan zähle ich über 20 Threads mit Titeln wie „Anti-Bezahlsystem“, „KK-Streik gegen das Bezahlsystem“, „KEINE Pflicht für das neue Bezahlsystem“, „Dagegen? Profilbild ändern!“, „KK – zurück zu deinen Wurzeln“, „Kleiderkreisel vs. Kleiderkorb“, „Kleiderkorb, das neue Kleiderkreisel“, „Kleiderkreisel Apokalypse-Szenario“, "Euro Namen bei der Konkurrenz", "Kleiderkreisel schaufelt sich sein Grab" ... 

In diesen Threads sieht man 90 Prozent geänderte Profilbilder mit rot durchkreuzten Kleiderkreisel-Symbolen. Die Facebook-Likes sinken immer weiter, die von Kleiderkorb nehmen dafür ungemein zu – ihr Server ist bereits durch Neuanmeldungen und Zugriffen überlastet!

Übrigens sind laut Foren-Umfrage momentan knappe 5% (!!) FÜR das neue Bezahlsystem. Wow.. ist ja der Hammer. Ich zitiere mal kurz aus dem oben verlinkten Thread: „Unser Team hat zugehört, Feedback gesammelt“  -  entschuldigt meine Wortwahl aber… einen Scheiß habt ihr.

Ich zitiere auch noch kurz aus den FAQ:
„Was kostet es, auf kleiderkreisel.de zu verkaufen? 
Nichts, denn es gibt bei Kleiderkreisel keine Gebühren. Wir möchten, dass niemand ausgeschlossen wird und alle die Möglichkeit haben, stilvoll gegen Verschwendung zu kämpfen. Die Nutzung kostet dich also wirklich keinen Cent.“

Öhm. Ja.

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Edit: Es wurde nun sogar eine Petition erstellt: 
www.avaaz.org/de/petition/Kleiderkreisel_Bei_den_Wurzeln_bleiben_gegen_die_Kommerzialisierung/?nPTzLdb

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