EIGENWERK: Überraschung und Mini-Giveaway

Hey ihr Lieben, heute habe ich euch was ganz tolles zu verkünden! Wie ihr wahrscheinlich inzwischen wisst, bin ich dieses Jahr im Online-Kreativ-Team des Eigenwerk-Magazins. Dieses verfügt aber auch über eine Print-Ausgabe, die seit der letzten Ausgabe nicht nur online, sondern auch an größeren Kiosks erhältlich ist. Die aktuelle Ausgabe gibt es seit letzten Donnerstag zu kaufen und behandelt das Thema Upcycling. Und jetzt kommt es: ihr könnt darin eine Anleitung sowie einen Steckbrief von mir finden!
Ich freu mich unheimlich darüber, dass mir diese Möglichkeit geboten wurde - ein großes Dankeschön an Christian an dieser Stelle!





Und da ich, wie ihr auf den Fotos sehen könnt, mehrere Ausgaben habe, würde ich gerne eine davon an euch weitergeben. Das soll euch aber natürlich nicht vom Kauf abhalten ;) Deshalb geht die Mini-Verlosung auch nur drei Tage, höhö. Alles was ihr dafür tun müsst:

Schreibt einen Kommentar mit eurer Emailadresse bis einschließlich Mittwoch, 03.09.14 und erzählt mir darin von dem schönsten/praktischsten/sinnvollsten Upcycling-Projekt, das ihr je gesehen oder von dem ihr gehört habt. 

Viel Glück!

LIFE: Selbstdisziplin - das Urteil

Und schon sind nicht nur die zweieinhalb Wochen meiner Ferien, in denen ich mich auf selbstdiszipliniertes Arbeiten von Zuhause aus testen wollte, vorbei, nein, auch anderhalb Wochen Schule sind schon wieder rum.
Wie es geklappt hat? Nunja. Ich habe glücklicherweise damit gerechnet, dass nicht alles so rund läuft, wie ich es gern gehabt hätte, denn kein Mensch kann von heute auf morgen all seine Schwächen ausmerzen und in die Rolle seines Utopie-Ichs schlüpfen. Neue Umstände erfordern Zeit und zweieinhalb Wochen sind nicht besonders viel. Deshalb zählen für mich vor allen Dingen ein paar grundlegende Dinge um auszumachen, ob ich diese Zeit als gelungen interpretiere. 



Was gut geklappt hat: ich bin unter der Woche ausnahmslos um 6 Uhr morgens aufgestanden und wenn möglich (dazu später mehr) habe ich auch die halbe bis ganze Stunde Sport durchgezogen. Hätte ich nicht mit gerechnet. Auch nicht damit, dass ich mich wirklich kaum habe ablenken lassen von den Dingen um mich rum. Da mein Partner auch von Zuhause aus arbeitet, ist die Versuchung natürlich groß, zwischendurch doch mal kurz Zeit miteinander zu verbringen und auch die Katzen haben Ablenkungspotenzial.. aber das ging.

Was nicht gut geklappt hat: Solange ich keine Termine oder Verabredungen hatte, hat meine Zeitplanung ganz gut funktioniert. Aber durch die vielen Wochen Praktikum, die mit wenig Freizeit verbunden waren, hatte ich natürlich auch vor, mal ein paar Freunde zu sehen. Und zum Frisör und zur Massage wollte ich auch, genauso wie ich weiterhin jeden zweiten bis dritten Tag Nachhilfe gegeben habe und drei halbe Tage auf meine Neffen aufgepasst habe - von morgens sieben an, deshalb hat es da schon nicht mit dem Sport hingehauen. Ich habe gemerkt, dass ich vor und nach solchen Unternehmungen immer noch ein wenig Zeit vertrödelt habe. Zum Beispiel habe ich vorher oft gedacht: "ach, für die dreiviertel Stunde bis ich los muss, lohnt es nicht, noch etwas neues anzufangen..". Irgendwie kam ich dann einfach raus aus dem Flow. Das war Stolperfalle Nummer eins. Die zweite, größere Sache war, dass ich durch drei Abgaben für die Schule (u.A. zwei Praktikumsberichte), die ich ein wenig vor mich hergeschoben habe und auch gerade noch munter herschiebe, nicht so richtig den Kopf frei hatte. So habe ich kaum an meinen "Geschäftsideen" gearbeitet, sondern nur Posts für den Blog geschrieben - dafür steht allerdings die Planung für das restliche Jahr :D 

Ein paar Tipps, die bei mir gut funktionierten: 
Ordnung. Mit einem aufgeräumten Arbeitsplatz geht alles leichter von der Hand. Keine Störfaktoren, keine Ablenkungen. Pausen sollten mit eingeplant werden - die meisten Menschen können sich nur anderthalb bis zwei Stunden gut konzentrieren, dann ist eine kurze Pause nötig. Alles, was wichtig ist, sollte in Griffnähe liegen, zum Beispiel ein Glas Wasser oder ein Notizbuch plus Stift. Je seltener man aufstehen muss, um etwas zu holen, desto weniger kann man sich von Dingen ablenken lassen, die einem auf dem Weg begegnen.. Listen schreiben. Sowohl To-Do-Listen für die eigentliche Arbeit, als auch eine, auf der man alles notiert, was einem gerad durch den Kopf geht und einen dadurch an der Arbeit hindert (z.b. Wäsche machen, beim Arzt anrufen etc.). Ich habe außerdem noch aufgeschrieben, was ich eigentlich immer geschafft habe, denn das ist im Endeffekt meist mehr als man selbts denkt. Bei Arbeit am PC: nur die Tabs, Dokumente etc. offen haben, die man gerade benötigt. Ich bin Meister im "immer mal hin und her klicken und schauen, obs was Neues gibt" - nicht gerade förderlich, wenn man versucht, sich zu konzentrieren!



Könnt ihr von zu Hause aus gut arbeiten? Habt ihr weitere Tipps?


MINIMALISMUS: Vorgehensweise

Im meinem Post über Besitz und Minimalismus habt ihr in den Kommentaren viele Probleme beschrieben, die euch das Ausmisten schwer machen. Deshalb wird sich der erste Post zum Thema ein wenig mit meiner Vorgehensweise beschäftigen. Vielleicht hilft euch der eine oder andere Gedanke dabei, euch leichter von Sachen trennen zu können beziehungsweise überhaupt erstmal anzufangen.



Die Sache strukturiert angehen

Wenn man sich vorgenommen hat, endlich mal auszumisten, bleibt es meist auch erstmal nur beim Vorhaben. Denn das Thema Entrümpeln wirkt oft so riesig und einschüchternd, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll und überhaupt.. das dauert doch bestimmt soo lange..
Deshalb ist es meiner Ansicht nach am besten, wenn man die Sache ganz strukturiert angeht und in viele kleine Bereiche aufteilt:

Eine Schublade nach der anderen.
Eine Kommode nach der anderen.
Ein Schrank nach dem anderen.
Ein Zimmer nach dem anderen.
So kommt es einem viel weniger vor, man kann schnell mal was zwischendurch machen und muss kein langes Wochenende für die Aktion einplanen. Und ich sag euch - leere Schubladen fühlen sich plötzlich SO gut an. Meine waren vorher zum Bersten gefüllt. Inzwischen habe ich schon überlegt, die Vitrine zu verkaufen ;)


Fragen, die man sich stellen sollte..

... zur Notwendigkeit:
Brauche ich den Gegenstand wirklich? Wann habe ich ihn zuletzt gebraucht? In welchen Situationen könnte ich ihn in der Zukunft brauchen? Sind die Situationen überhaupt wahrscheinlich und wie oft könnten diese vorkommen? Kamen sie in der Vergangenheit häufig vor?

... zur Kopfsache:
Wusste ich überhaupt noch, dass ich den Gegenstand besitze? Wenn nicht, ist er es dann wert, behalten zu werden? Habe ich mich darüber gefreut, ihn wieder mal in den Händen zu halten? Gibt der Gegenstand mir ein gutes Gefühl, besitze ich ihn gerne? Hängen positive Erinnerungen an ihm?

... zu den Folgen:
Was passiert, wenn ich ihn nicht mehr besitze? Kann ich ihn zur Not leicht ersetzen? Besitzt jemand aus meinem Umfeld einen ähnlichen Gegenstand, den ich mir im Ernstfall leihen kann? Wenn nicht, ist eine Neuanschaffung erschwinglich? 


Ich entscheide meist einfach nach Gefühl, ob ich eine Sache behalten soll oder nicht, wobei ich mich lieber einmal zu viel als zu wenig frage, ob ich ihn wirklich brauche und wenn nicht, ob ich ihn trotzdem behalten möchte. Bei mir gibt es dir ungeschriebene Regel: erlaubt ist definitiv eine Kramskiste, bei deren Inhalt man nicht genau weiß, warum man ihn eigentlich behalten möchte. Diese sollte dafür aber umso öfter nochmal durchgeschaut werden. Außerdem natürlich eine Kiste mit persönlichen Sachen, die man nicht hergeben möchte, weil einfach Erinnerungen dran hängen - wobei man sich da nochmal die Frage stellen sollte, ob man daran überhaupt erinnert werden möchte.

Welche Methode außerdem sehr beliebt und bekannt ist, wenn man sich bei einem Gegenstand einfach nicht sicher ist: alles in eine Kiste packen, ab in den Keller oder auf den Speicher damit, und nach einem halben Jahr mal wieder reinschauen. Meist hat man längst vergessen, was da so drin ist und hat an die einzelnen Gegenstände nie gedacht und sie somit auch nicht gebraucht. Es fällt leichter, sich davon zu trennen, wenn man sich bewusst macht, wie selten man Dinge braucht oder dass man eigentlich gar keine Gedanken daran verschwendet.  

Meine Ziele sind eigentlich folgende: ich möchte alles bewusst besitzen. Ich möchte wissen, was ich besitze und warum ich es besitze. Ich möchte nicht auf Dinge stoßen, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich sie habe, denn das ist eigentlich ein eindeutiges Zeichen dafür, dass man sie nicht braucht!

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Auf welche Probleme stoßt ihr beim Ausmisten noch, die ich vielleicht vergessen habe?
In den nächsten Posts werde ich auf jeden Fall noch berücksichtigen, was man mit den ausgemisteten Sachen machen kann und wie man verhindert, dass man in Zukunft wieder zu viel Besitz anschafft. Geplant sind außerdem Beiträge über meine persönlichen Schwachstellen!

NÄH-DÖTZCHEN: Das Zubehör

In diesem Post habe ich euch eröffnet, dass ich das Thema Nähen und generell das Thema Bekleidungstechnik mehr auf meinem Blog behandeln möchte. Deshalb wird es unter anderem eine kleine Reihe zum Thema "Nähen von Beginn an" geben, liebevoll und spontan "Näh-Dötzchen" getauft - für alle, die jetzt auch endlich mal anfangen möchten mit diesem mysteriösen Thema "Nähen".

Wer mit dem Nähen anfangen möchte, braucht erstmal ein wenig Zubehör. Was man so braucht - entweder dringend oder eher zweitrangig - zeige ich euch heute im ersten Post.

Immer von links nach rechts:

Zum Schneiden: verschiedene Scheren sind sehr wichtig. Stellt sicher, dass ihr zum Schneiden von Stoff und Papier nicht die gleiche Schere benutzt, da sie sonst abstumpft und euch euren Stoff kaputt machen kann. Beide Scheren sollten eine Klinge von mindestens 10 cm haben. Meine sind schon fast ein bisschen zu klein..  Eine zusätzliche kleine Schere ist aber auch wichtig, damit ihr sauber eure Fadenenden abschneiden und auch auftrennen könnt. Ich komme am besten mit so einer Mini-Stickschere klar, da sie schön spitz ist und man einfach sehr genau damit arbeiten kann. Bitte benutzt keinen Auftrenner! Damit habt ihr schneller Löcher im Stoff als ihr denkt!

Zum Zeichnen: Mit einem Druckbleistift lässt sich meiner Meinung nach am saubersten zeichnen, wenn man an Schnitten arbeitet. In meiner Ausbildung ist er deswegen ein Muss, da brauchen wir gar nicht mit normalen Bleistiften ankommen..  Ich habe außerdem sehr gute Erfahrung mit diesem Radierstift gemacht, da er auch sehr dünne, kurze Linien wegradieren kann, ohne alles drumherum gleich mit zu entfernen. Ich bin da aber auch super pingelig, deshalb ist der Stift eher Luxus als wirklich notwendig. Zum Zeichnen auf Stoff kann man entweder einen Kreidestift oder Kreidestücke benutzen, jenachdem, womit man besser zurecht kommt. Mir persönlich liegt der Kreidestift mehr, da ich damit genauer arbeiten kann. Außerdem finde ich es sehr praktisch, dass man die Minen auswechseln kann, jenachdem, welche Farbe man braucht. Material- und müllsparender wäre aber natürlich ein Kreidestück... ;)

Zum Messen: das Maßband eignet sich am besten zum Maßnehmen am Körper und für lange Strecken. Tut euch den Gefallen und kauft euch kein ewig langes - mein zweiMeter-Ding geht mir immer eher auf die Nerven, weil es so unpraktisch ist - und rollt es nicht ein, da es sich sonst leicht verziehen kann mit der Zeit. Das Stahlmaß und das Handmaß sind für kurze Strecken sinnvoll. Dabei kommt das Stahlmaß eher beim Bügeln zum Einsatz, wenn man den Stoff beispielsweise um ein bestimmtes Maß umbügeln muss. Das Stahlmaß ist praktisch, da es nicht schmilzt, jedoch auch nicht super notwendig, wenn man einfach ein bisschen aufpasst. Das Handmaß wird eher an der Maschine genutzt, zum Beispiel um zu kontrollieren, ob die Naht noch in dem erforderlichen Abstand zur Stoffkante verläuft. Das Geodreieck ist hilfreich bei der Schnitterstellung, ich nutze es aber auch häufig, um schneller gerade Strecken auf Stoff zu bringen, indem ich es einfach auf den Papierschnitt lege. Wenn ihr vorhabt, oft mit großen Schnitten zu hantieren, könntet ihr über die Anschaffung eines Schneiderwinkels nachdenken, der nun auf dem Bild fehlt. Dabei rate ich euch dringend zu einem durchsichtigen, mit denen kann man viel besser arbeiten als mit einem weißen oder einem aus Stahl. Das Kantenlineal - das ist das kleine silberne Ding - ist purer Luxus und wird eher in der Industrie verwendet (meine Ausbildung ist auf die Industrie und nicht aufs Handwerk ausgelegt). Aber es ist unglaublich praktisch! Es beinhaltet nämlich einen Magneten, weshalb man das Kantenlineal einfach auf die Stichplatte pappen kann - in dem Abstand, in dem man nähen möchte. Man muss also nicht zwischendurch nachmessen, oder sich an irgendwelchen Linien orientieren, sondern kann den Stoff einfach an der langen Kante vorbeilaufen lassen, die auf dem Bild nach unten zeigt. Wie gesagt: Luxus.















Zum Pieksen: Zum einen braucht ihr eventuell Handnähnadeln in verschiedenen Stärken, beispielsweise um Knöpfe anzunähen. Definitiv aber braucht ihr Stecknadeln und zwar unbedingt welche OHNE großes Kunststoff-Köpfchen! Die sehen zwar vielleicht netter aus, aber sie erfüllen einfach nicht richtig ihren Zweck, da der Stoff durch so ein großes Köpfchen nicht richtig flach liegen kann. Ihr tut euch selbst damit einen Gefallen, wenn ihr mit den ganz Einfachen mit dem flachen Endstück arbeitet, wie ihr sie auf dem Bild sehen könnt. Dazu ist ein Nadelkissen noch ganz praktisch, aber auch nicht überlebenswichtig.

Was ich noch vergessen habe, bildlich festzuhalten:

Schnittpapier: Bevor ihr euch richtiges Schnittpapier aus dem Fachhandel kauft, probiert am besten erstmal, mit Brot- oder Backpapier zu arbeiten. Das funktioniert eigentlich genauso gut, ist günstiger und oft eh schon im Haus! 

Garne: Spart nicht am Garn, sondern achtet auf eine hochwertige Qualität! Billiges Garn reißt schnell, ist ungleichmäßig und führt so zu einem unregelmäßigen Nahtbild. Den Ärger kann man sich wirklich sparen, indem man schon im Vorfeld in "gutes" Garn investiert, was auch nicht wirklich teuer ist! Die Spitzenreiter sind Amann und Gütermann. Ich persönlich habe außerdem noch gute Erfahrung mit dem Organic Cotton Garn von Scanfil gemacht!

Ich hoffe, der erste Post hat euch gefallen :) Im nächsten gibt es Tipps für den Zuschnitt!

MOTIVATIONSGESCHICHTE: Eigene Wege gehen

Manchmal merken wir plötzlich, dass die Ziele, die wir verfolgen, gar nicht unsere eigenen sind. Dass der Weg, den wir gehen, nicht zu uns selbst und zu dem passt, was wir uns für unser Leben wünschen. Unserem Leben eine neue Richtung zu geben, ist aber oft gar nicht einfach und erfordert auch Mut. Vor allen Dingen, wenn die erforderlichen Änderungen solche sind, die "die Gesellschaft", das System oder/und das eigene Umfeld nicht anerkennen und unterstützen oder wenn einem der neue Weg nicht zugetraut wird, da man vielleicht nicht die besten Voraussetzungen dafür hat. 

Dass es sich trotzdem lohnt, das eigene Leben so zu gestalten, wie man es selbst für richtig hält, ohne wenn und aber, möchte ich euch mit dieser neuen Post-Reihe "So gehe ich meinen eigenen Weg" verdeutlichen. Dafür habe ich mir einige Schreiberlein ins Boot geholt, die euch ihre Geschichte erzählen.

Den Anfang macht Julia, 16, aus Hannover. Julia hat sich von ihrer besten Freundin gelöst, als sie merkte, dass sie mit ihren Entscheidung höchstens diese zufriedenstellt, nicht aber sich selbst. 



Wir kennen uns seit dem Kindergarten, seit du auf dem bunten Sofa saßt und man dich als die Neue vorstellte. Wir haben uns angesehen und gelächelt. Es musste einfach sein, wir wurden Freundinnen. Beste Freundinnen. Es gab niemanden, der dieses Band zerstören konnte. Wir wurden älter, reiften, kamen in die erste Klasse, die zweite, die dritte, die vierte, machten unseren Abschluss. Und nichts konnte uns trennen.
Die unterschiedlichen Klassen machten uns nichts aus, selbst wenn es verschiedene Jahrgänge gewesen wären, wäre das bedeutungslos gewesen. Die weiterführende Schule ließ nicht lange auf sich warten, womit wir beschlossen, auch diese gemeinsam zu besuchen. Doch wie das Schicksal es wollte, landeten wir wieder in verschiedenen Klassen, wurden getrennt, als hätte sich etwas gegen uns gewendet.

Wir hatten viel erlebt, viel gemeinsam geschafft, viel überstanden. Mehr als womöglich gut war. Schon früh hattest du gelernt deine Karten auszuspielen, Menschen, insbesondere mich, zu deinen Marionetten zu machen. Und ich hatte getanzt für dich, jede Menge. Die Fäden, mit denen du mich kontrolliertest, wurden zu Fesseln, ich tanzte munter weiter. Ob ich fröhlich war, war fraglich. Hast du gepfiffen, bin ich gesprungen. Jedes Mal, so sehr es mich auch schmerzte. Ich tat Dinge gegen meinen Willen, ließ mich kleinkriegen, ließ mich fertigmachen, wollte immer dein Bestes. Du nutztest es förmlich aus, dass ich nie wollte, dass du traurig warst. Allgemein, dass Menschen traurig waren. Mein Gewissen war dein Spielfeld, ein einfacher Zug und schon hattest du es wieder geschafft, dass ich mich auf den Knien wiederfand.
Doch mit den Jahren wurde ich stärker, ich reifte, griff nach der Schere und durchtrennte die Fäden, befreite mich selbst. Ich wurde stärker, sehr viel stärker, wehrte mich gegen dich. Endlich. Insgeheim glaube ich, dass diese Stärke dir Angst machte. Kontaktabbruch. Es dauerte Monate, bis wir wieder miteinander sprachen.

Die Jahre vergingen und wir standen vor einer Entscheidung: Was machen wir mit unserem Abschluss? Schulwechsel, Gymnasium, Abitur, Karriere. So sahen deine Pläne aus, so sind sie noch immer und ich ließ mich davon anstecken. Bis zu dem Abend, an dem ich mir eine Schule ansah, die in Frage für einen Wechsel kam. Eine ältere Dame erzählte etwas von der Schule, erörterte das Programm, beantwortete alle Fragen und legte ungewollt einen Schalter in mir um.
Ich wollte das alles nicht, ich wusste, dass ich es nicht schaffen würde. Wie du auch war ich eine gute Schülerin, doch Abitur? Nein, das ist nichts für mich. Es entsprach nicht meinen Vorstellungen, nicht dem was ich wollte, überschritt meine Grenze. In der Schule hatte ich durchaus meine Schwächen, Mathe und Physik lagen mir noch nie, aber nun sollte ich das ganze noch eine Stufe schwerer erneut auf mich nehmen? Das Wort „Versagen“ stand in den Himmel geschrieben. Und so offen wie meine Augen nun mal waren, entdeckte ich es sofort.

Noch am selben Abend schrieb ich dir, dass ich das nicht könnte. Du wurdest sauer, ich war wieder die Blöde, nur diesmal fühlte es sich richtig an. Ich würde auch Karriere machen, würde erfolgreich werden, auf meine ganz eigene Art und Weise. Natürlich wollte ich dich nicht verlieren, doch musste ich auch mal an mich denken. Somit entschied ich mich. Gegen das Abitur, weitere Schuljahre und irgendwie auch gegen dich. Ja, es fühlte sich gut an, verdammt gut. Und das tut es noch.
Du lässt mich immer wieder spüren, dass meine Entscheidung falsch war, dass ich es bereuen würde und mir wünschen würde, alles rückgängig machen zu können, doch ich weiß, dass es richtig ist. Ich tue das, für was ich geschaffen bin, wobei ich mich gut fühle. Selbst, wenn deine Blicke noch so verurteilend und belächelnd sind, ich lasse mich nicht runterziehen, nicht von dir.
Ich habe lange genug gelitten, mache jetzt das, worauf ich Lust habe und das kann unmöglich falsch sein.