Bloggen - früher und heute. Ein Beispiel.

Puh, da ist aber gerade was los bei den Bloggern, was? Überall ploppen Beiträge auf, wie wenig Spaß das Bloggen noch macht, wie hoch der Druck ist, wie alles vom Konkurrenzdenken geprägt ist. Solltet ihr davon tatsächlich noch nichts mitbekommen haben, lest euch mal den Blogspot von Anne durch, der das alles sehr gut zusammenfasst und den von Ariane, deren Ansichten dazu ich sehr interessant finde - weil sie irgendwie sehr richtig sind.

Diese ganze "Diskussion", wenn man sie so nennen mag, nervt mich ein bisschen. Vor allen Dingen, weil ich irgendwie sehr zwiegespalten bin. Ich verstehe beide Seiten. Die Seite, die sagt "die Bloggerszene mit ihrer bemühten Perfektion ist zum Kotzen, ich hasse den Druck" und die, die sagt "dann ändert doch was, ihr macht doch selbst mit bei dem ganzen Terz!"

Ja, die Bloggerszene hat sich verändert. Wir Blogger haben uns verändert, und die Leser haben sich verändert. Ich blogge jetzt seit ungefähr zehn Jahren. Anfangs war es ein persönlicher, passwortgeschützter Blog bei myblog und es war damals üblich, tagebuchmäßig von seinem Alltag und seinen Gefühlen zu schreiben. Als ich dann hier bei Blogspot "öffentlich" wurde, war mir klar, dass meine Gefühle in der Form wie früher hier nichts mehr verloren haben. Zu öffentlich, zu viel Angriffsfläche. Also blieb der Alltag.

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Ein Post von vor gut fünf Jahren hätte ungefähr so ausgesehen:

"Ich war heute in der Stadt! 
Ich musste dringend zum Frisör, zur Bücherei, zum Arzt wegen einer Überweisung und auch zur Krankenkasse, weil ich mich dringend erkundigen musste, wie das jetzt läuft wegen der Selbstständigkeit. 
Meine Haare sind nun noch etwas kupfriger als zuvor, was man auf den Bildern leider gar nicht so gut erkennt. Seit Wochen war ich nun schon auf der Suche nach einem orangem Lippenstift, bei DM bin ich aber mal wieder nicht fündig geworden, dafür hab ich aber ein paar Nagellacke gekauft... Wegen des Lippenstifts hab ich also im Reformhaus geschaut und tadaaaa. Das Ergebnis könnt ihr auf den Bildern sehen! Anschließend war ich endlich mal in der "Kaufbar", einem sozialen Gebrauchtwarenkaufhaus, dessen Erlös dafür genutzt wird, Menschen wieder eine berufliche Perspektive zu bieten. Da wollte ich ewig schon hin. Gekauft habe ich zwei Blazer und ein Kleid, das ich allerdings noch umnähen werde. Alles wahnsinnig gut verarbeitet, für insgesamt 7,50 Euro."

gefolgt von zig Bildern. Von mir, die alle irgendwie gleich aussehen (damals wären sie alle in voller Größe untereinander geordnet gewesen, aber das wollte ich euch jetzt echt nicht antun!) und dann natürlich von den neuen Errungenschaften.


Das Krasse ist: damals hätte ich für den Post um die 15-25 Kommentare bekommen. Und heute? Kriege ich die selten noch, trotz mehr "Professionalität". Aber würde diesen Wischiwaschi-Post wirklich noch jemand lesen, geschweige denn kommentieren wollen? Ich glaube nicht.

































Heute hätte ich aus dieser kleinen Alltagsstory vielleicht folgende Posts kreiert, weil ich glaube, dass das von euch erwartet und das auch meinen eigenen Ansprüchen eher gerecht werden würde: 

- Krankenversicherung für Selbstständige - worauf muss ich achten?
- der passende Lippenstift für Kupferhaare - Review inklusive Diskussion um die Inhaltstoffe, denn Lakshmi ist zwar tierversuchsfrei, der Lippenstift ist aber auf Butterbasis hergestellt, was ich leicht befremdlich finde
- drei Nagellacke (Nagellacks, Nagelläcke?) auf einmal - gerade ich, die Kosmetikprodukt-Minimalistin, die vorher gerad mal genauso viele im Schrank stehen hatte?
- Secondhand-Kleidung - jeweils ein Outfitpost pro Teil, plus Vorher-Nachher und vielleicht noch ein How-Two wie das Kleid verändert wurde; außerdem der Gedanke, ob ich durch meinen Kauf nicht wirklich "Bedürftigen" etwas wegnehme.. ?

Ihr seht vielleicht, worauf ich hinaus will: Ja, ich kenne das, mit dem Druck beim Bloggen. Man will mit seinen Posts jemanden erreichen, dafür will man so professionell wie möglich sein, denn Blogs gibt es wie Sand am Meer. Ja, auch den Neid und die Konkurrenzgedanken kenne ich, denn es ist enttäuschend, stundenlang an einem Post gesessen zu haben und dann vielleicht gerade mal drei Kommentare zu bekommen. Dann fragt man sich, wie das bei anderen läuft, warum die für Posts, die für einen selbst viel weniger aufwändig erscheinen, viel viel mehr Kommentare und Aufrufe bekommen. Und hey, ich bin ja eigentlich schon eher eine von der Sorte, die nicht unbedingt fame-geil ist und die Blogger-Weltherrschaft anstrebt. 

Aber ja, ich kann verstehen, dass der Perfektionismus, der daraus resultiert, einem die Freude am Bloggen nimmt, denn diese Unlust überfällt mich selbst regelmäßig. Es ist schwer, sich NICHT danach zu richten, was "der Leser sehen will", sondern einfach zu machen, worauf man Lust hat. Denn seien wir mal ehrlich - dann kommen meist nicht nur nur zwei oder drei Kommentare, sondern gar keine. Und wer mir jetzt erzählen will, dass er eh nur für sich selbst bloggt und das deshalb nicht schlimm ist - dem glaub ich nicht, sorry.


Beispiele übrigens aus der Vergangenheit für völlig nichtssagende Posts meinerseits mit verhältnismäßig viel zu vielen Kommentaren:


Was denkt ihr zu diesem Thema? Steht die Bloggerwelt mal wieder vor nem Umbruch? 

SELBSTSTÄNDIGKEIT: This is the beginning

Blockaden überwinden. Nicht zu viel grübeln. Einfach anfangen und MACHEN
Leichter gesagt als getan!

Die letzten Wochen habe ich das "einfach anfangen" im Bezug auf meine Selbstständigkeit einfach mal verdrängt und mir gesagt, dass ich noch ein bisschen freie Zeit verdient habe. Gleichzeitig wurde ich immer rappeliger und unzufriedener und so kam es, dass ich vorgestern die erste Investition getätigt - unglaubliche 10 Euro für eine gebrauchte Tischplatte für meinen Zuschneidetisch!! Jetzt fehlen nur noch die Böcke - und gestern kurzerhand angefangen habe, die Wohnung umzuräumen, um mein bisheriges Zimmer zu einem Arbeitszimmer umgestalten zu können. Denn erstmal werde ich Zuhause bleiben. Ich hätte zwar so unglaublich gern eine eigene Räumlichkeit, aber für den Anfang ist mir das einfach zu teuer und riskant.

Meine Couch und die Büchersammlung kamen ins Schlafzimmer, wofür der Katzenbaum umgestellt werden musste. Typisch ich, konnte ich natürlich nicht warten, bis der Mann nach Haus kommt, sondern mach einfach allein und sofort - bis ich irgendwann einsehen musste, dass ich die Couch, die breiter als die Türrahmen sind, nun echt nicht allein rüberbekomme. Aber glücklicherweise habe ich ja fast alle starken Onkel im Rentenalter nicht weit von mir und so stand das Sofa keine halbe Stunde nach meinem Anruf dort, wo ich sie haben wollte. Yey!






Meine Schreibtische wurden ein wenig auseinander gefriemelt und so deponiert, dass ich mich von beiden Seiten setzen kann. An die leere Stelle, wo jetzt der weiße Stuhl steht, kommt der Schnellnäher, daneben die Overlock. Der lange Schreibtisch ist für Laptoparbeiten, also Blog, Schnitte, etc. reserviert. An die Stelle, an der nun das lange Regal liegt, kommt wohl der Plotter, das Bügelbrett gegenüber an die Wand, die auf den Fotos nun nicht sichtbar ist. Hach, ich freu mich.

Bleiben ja nur noch eine Millionen offene Fragen wie beispielsweise: Schnellnäher und Plotter teuer vom Händler oder gebraucht kaufen? Soll ich überhaupt schon einen Plotter kaufen oder in der ersten Zeit dauernd in die Stadt rennen und drucken lassen? Reicht die Overlock erstmal in der Haushalts-Variante? Lasse ich meine neue Website professionell erstellen, inklusive Shop, oder gebe ich mich doch erstmal mit Dawanda und Konsorten zufrieden und frickel am Layout selber rum? 
Von den ganzen steuerlichen, rechtlichen und bürokratischen Dingen mal abgesehen, die mir immer noch ein groooßes, rotes Fragezeichen in den Kopf brennen!

Aber ich bin da ja ganz zuversichtlich. Manchmal zumindest.

GEDANKEN: Leben ohne Reisen?

Vor zwei Jahren war mein letzter Urlaub. In Holland. Ich war noch nie außerhalb Europas und auch da nur das Typische: Frankreich, Spanien, Österreich, ...  Auch Kurztripps kann ich an weniger als einer halben Hand abzählen: Hamburg und London.

Manchmal, wenn ich so durch Blogs scrolle, oder mir meine Freundinnen anschaue, die alle ständig irgendwo in der Weltgeschichte herumbummeln, dann fühl ich mich langweilig. Dann frag ich mich, ob ich nicht auch eigentlich schon längst mal mehr gesehen haben sollte. Horizont erweitern und so. Aber diese Momente halten nur ganz kurz an. Denn eigentlich, und das klingt für die meisten in meinem Alter sicher etwas befremdlich, habe ich kein großes Verlangen danach, mehr von der Welt zu sehen. Es ist nicht so, als würden mich fremde Kulturen nicht interessieren und wenn mir jemand ne Reise schenken würde - ja dann gerne, immer her damit! Aber extra sparen zum Beispiel? Dafür ist es mir einfach nicht wichtig genug.

Oft habe ich das Gefühl - und nein, ich möchte definitiv nicht pauschalisieren! - dass viele reisen, um zu flüchten. Weil sie es an einem Ort nicht lange aushalten können. Und weil sie ihren Platz in der Welt noch nicht gefunden haben, keinen Platz, an dem sie sich zu Hause fühlen, einfach nicht richtig ankommen können. 

Ich dagegen, die eigentlich gleich nach dem Abi weit weg wollte, fühle mich in den letzten Jahren so sehr mit meiner Kleinstadt verbunden, dass ich sogar das Stadtmagazin bei Facebook abonniert habe um auch jede Neuerung mitzubekommen. So sehr, dass ich mir vorstellen kann, für immer hier zu bleiben. Ich habe nicht das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn ich lange an einem Ort bin.

Und das finde ich dann irgendwie auch gut. Ich hab gern das wohlige Gefühl von Zuhause. 

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Wenn ihr den Post lest, bin ich jedoch zur Abwechslung mal nicht in Viersen, sondern besuche meine Familie für ein paar Tage in Holland, in ihrem Urlaub :)


Vom "das zu lieben, was man tut"

Wie im letzten Post schon angekündigt, würde ich euch heut gern erzählen, was meine groben Pläne bezüglich der Selbstständigkeit sind und was mich an meinen zukünftigen Aufgaben so fasziniert.
Abgesehen von meinen Charaktereigenschaften, die mich davon abhalten, ein Arbeitnehmer-Dasein zu fristen, gibt es natürlich noch andere Aspekte, die mich in Richtung Selbstständigkeit lenken. 


Vielseitigkeit

Einer davon ist, dass ich extrem vielseitig interessiert bin. Darüber habe ich in diesem Post zum Thema "Arbeit und Berufung" schon mal geschrieben und greift das, worüber ich heute schreiben will, ziemlich gut auf. Ich zitiere mich mal eben selbst:

"Ich mag sowohl die kreativen, als auch die analytischen Bereiche, finde sowohl Dinge toll, bei denen ich mich auf meinen Geschmack und meine Intuition verlassen muss, als auch die, bei denen logisches Denken gefordert ist. Ich bin nicht Kopf- oder Bauchmensch. Ich mag nicht Zahlen oder Worte, Katzen oder Hunde, Beatles oder Rolling Stones. Ich mag immer irgendwie alles ein bisschen. Das finde ich eigentlich gut. Ich weiß inzwischen, dass ich immer auch Abwechslung brauche, ich habe am liebsten viele verschiedene Teilbereiche, in denen ich so mitwirken kann. Aber für die Berufsfindung ist das irgendwie von Nachteil."


Ich will nicht die eine Sache machen. Ich will von allem ein bisschen. Ich will mein maßgeschneidertes Paket mit allen Kleinigkeiten und Aufgaben, die mir Freude machen, in dem ich alle meine Stärken unterbringen kann. Find da mal ein Jobangebot, denkt ihr euch? Denk ich mir auch, deshalb mach ich mein Paket halt selber:

Meine Pläne haben sich bisher noch nicht zu dem Großen und Ganzen entwickelt. Dafür geb ich mir noch ein bisschen Zeit. Aber ganz grob mag ich euch jetzt verraten, was ich für die Zukunft so geplant habe. Hauptsächlich würde ich gerne Kleidungsstücke, Accessoires und Schmuck auf nachhaltiger Basis entwerfen und fertigen und Schnittmuster inklusive bebilderten Anleitungen anbieten. Dabei habe ich auch schon einige Ideen, wie ich die Kleidung auch für nicht-richkids erschwinglich machen kann, denn das ist mir sehr wichtig. Im Hinterkopf habe ich noch Workshops und ähnliches geplant, wozu ich jedoch definitiv eine eigene Räumlichkeit bräuchte.

Unter Mode-Interessierten gibt es ja solche und solche. Ich würde mich eher nicht als typisch Mode-Interessiert bezeichnen, denn das ganze Drumherum - Designer, neuste Trends, ständig neue Kollektionen - könnten mir egaler nicht sein. Ich bin da definitiv eher am Schaffensprozess interessiert: entwerfen, Schnitte konstruieren, fertigen. Bestehendes hinterfragen, umgestalten, neu erfinden.


Gestaltung, Konstruktion, Fertigung und noch viel mehr

Ich liebe es, kreativ zu sein. Meine Gestaltungsaufgaben habe ich, wie ihr vielleicht wisst, immer in einem Rutsch erledigt und dafür lieber ein komplettes Wochenende geopfert, als viele einzelne Abende. Ich entwerfe gern einzelne Produkte, setze sie als Illustration oder technisch (das ein bisschen lieber!) um, spiele mit Farben und Mustern bis ein für mich stimmiges Konzept entsteht, verlasse mich dabei ganz allein auf mein Gefühl.



Aber genauso gerne beschäftige ich mich mit Zahlen und Maßen und strenge meinen Kopf ein bisschen an.
[Kleine Fun-Facts am Rande: wenn ich abends nicht einschlafen kann, weil ich zu aufgewühlt bin, stelle ich mir selber Rechenaufgaben und schlafe darüber ein... :D Jede Rechnung, die beiläufig in Artikeln oder Büchern erwähnt wird, rechne ich nach. Ich rechne das Machbare fast ausschließlich mit dem Kopf, da ich während des Tippens in den Taschenrechner meist schon das Ergebnis habe und kontrolliere dann nur noch. Jaja. Mathe-Nachhilfelehrerin mit Leib und Seele!]
Ich liebe Milimeterarbeit, mit Maßbändern und Linealen zu hantieren, mir vorzustellen, was das Hinzufügen oder Wegnehmen von Werten für Auswirkungen auf einen Schnitt beziehungsweise die Passform hat, und drehe und wende Dreidimensionales in meinem Kopf herum. Während ich Schnitte erstelle, vergesse ich regelmäßig zu Essen und verdammt, das ist normalerweise eins der letzten Dinge, die ich vernachlässige!!



Und ebenso gerne fertige ich. Als Perfektionist liebe ich die Genauigkeit, auf die es beim Nähen ankommt und bin absoluter Fanatiker eines regelmäßigen Nahtbildes. Genauso, wie ich mir abends Rechenaufgaben stelle, gehe ich manchmal ganze Arbeitsablaufpläne im Kopf durch und überlege, in welcher Reihenfolge ich irgendetwas nähen würde. Etwas selbst zu schaffen, mit den eigenen Händen, gibt mir so eine tiefe Form von Zufriedenheit, dass ich das Teil am liebsten nie wieder aus den Händen geben würde! Ich könnte mich stundenlang damit beschäftigen, verschiedene Stoffe anzufassen und anzuschauen. Ich habe ein totales Faible für grob-gewebte Stoffe mit unterschiedlichen Bindungen, am liebsten in gestreift. 



Und zu guter Letzt mag ich es, anderen Dinge zu erklären und beizubringen. Ich spiele so gern Erklär-Bär, weil ich mich liebend gern auf die unterschiedlichsten Arten von Menschen einstelle beziehungsweise auf die unterschiedlichen Arten des Verstehens. Manche verstehen Dinge eher, wenn man sie bildlich darstellt, andere eher mit Beispielen, die einen mit einfachen Worten, die anderen in komplexerem Zusammenhang. Ich mag das.

Und deshalb decke ich das alles gerne ab, alles zusammen, in meinem eigenen Paket.

SELBSTSTÄNDIG gleich nach der Ausbildung? Bin ich denn wahnsinnig?

Das frage ich mich manchmal. Bin ich nicht ein bisschen größenwahnsinnig, mich ohne jegliche Berufserfahrung selbstständig machen zu wollen? Sollte ich nicht lieber .....  ?

Die Antwort lautet nein
Die gesamten letzten Monate habe ich mich immer wieder damit auseinandergesetzt, ob und warum die Selbstständigkeit den richtigen Weg für mich darstellt. 
Was folgt, ist keine Rechtfertigung. Eher ein bisschen eine Erinnerung an mich selbst, falls ich mal wieder zweifeln sollte. 

Und nee, die Bilder (geschossen von Lotte Ruf) haben nichts mit dem Text zu tun - ich wollte euch einfach unbedingt noch ein paar Bilder der Abschlussfeier zeigen, auch wenn ich da bzgl der Erlaubnis der ganzen anderen abgebildeten Personen etwas eingeschränkt bin :)



Ich habe mich nie in einem Angestelltenverhältnis gesehen, soweit ich zurückdenken kann. 

Mit circa siebzehn wollte ich unbedingt ein eigenes, kleines Café haben. Einen eher ruhigen Ort zum Entspannen, mit Stammkunden und vielen Büchern. Als ich mich dann nach dem Abi eher in Richtung Psychologie orientiert habe, habe ich immer von einer eigenen Praxis geträumt und davon, "nebenbei" Ratgeber-Bücher zu schreiben - oh man, das würde ich echt immer noch so gern machen! - und Vorträge zu halten. Nach dem Abbruch meines Studiums und der Wiederentdeckung meiner Kreativität hätte ich am liebsten sofort einen kleinen Laden mit allerhand Selbstgemachtem - und integriertem Café! - eröffnet. Vernünftigerweise habe ich dann, wie ihr wisst, doch lieber erstmal eine Ausbildung gemacht und darüber bin ich sehr froh, denn ich habe in den drei Jahren so unheimlich viel über mich selbst gelernt. Viele Glaubenssätze über mich habe ich abgelegt, doch die Überzeugung, dass etwas "Eigenes" genau das Richtige für mich ist, ist geblieben - sie ist nicht nur geblieben, sie ist sogar noch mehr gewachsen!




Allerdings nicht von Anfang an. Wenn ich sage, dass ich sehr viel über mich selbst gelernt habe, dann bedeutet das unter anderem, dass ich mir sehr vieler meiner Eigenschaften irgendwann total bewusst wurde. Ich vermeide jetzt mal, von positiven oder negativen Eigenschaften zu sprechen, denn in diesem Zusammenhang kam mir auch die Erkenntnis, dass man da nicht pauschalisieren kann. Ich denke, es kommt immer darauf an, was man draus macht.

Ich habe beispielsweise festgestellt, dass ich nicht besonders teamfähig bin. Nicht, dass ich nicht sozial wäre oder mich für die Meinungen und Ansichten anderer nicht interessieren würde. Aber sobald es zu Gruppenarbeiten kam, war ich diejenige, die das Zepter in die Hand nahm, die ersten Vorschläge einbrachte und für das Organisatorische aufkam. Das ist erstmal nicht schlecht. Ich habe aber auch gemerkt, wie es sich in mir gesträubt hat, sobald wir als Gruppe von meinen eigentlichen Plänen abkamen. Ich bin ein absoluter Dickkopf, mit dem ich ganz gern schon mal Wände durchbrechen würde und sobald ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, will ich das auch durchziehen. Und zwar genau so und nicht anders. Etwas zu tun, von dem ich nicht hundertprozentig überzeugt bin, fordert unglaubliche Anstrengung von mir. Bevor ich jetzt ein zu schlechtes Licht auf mich werfe: ich hab ganz gut gelernt, das zu überspielen und nicht zu sehr rauszulassen :D




Was ich in dem Zusammenhang auch feststellen musste, ist, dass ich ein kleines Problem mit Autoritäten habe. Ich bin selbstverständlich keinesfalls respektlos gegenüber Menschen in "höheren Positionen" - was mir nur nicht in den Kopf gehen will, ist, dass sie gesellschaftlichen Ansichten nach mehr Respekt verdienen als andere. Es fällt mir demnach schwer, mich in eine angebliche "niedrigere Position" setzen zu lassen, da meiner Meinung nach jeder Mensch gleich viel Respekt verdient hat. Auch blinder Gehorsam liegt mir keinesfalls und so hatte ich auch nie ein Problem damit - in vernünftiger Art und Weise! - beispielsweise einen Lehrer auf Fehler hinzuweisen. 

Das sind Beispiele dafür, warum ich mich bezüglich meines Wesens nicht in einer Angestelltenposition sehe.  Zurück zum Punkt "Allerdings nicht von Anfang an": Zwischenzeitlich habe ich mich innerlich immer wieder ermahnt, mich dazu angehalten, diese Dinge zu ändern oder zu überspielen. Dann habe ich mir gesagt:

"Lena-Marie. So kommst du nicht weit.

Wie willst du jemals in einem Betrieb überleben, wenn du diese Verhaltensweisen und Eigenschaften nicht in den Griff bekommst? Wie willst du Aufgaben erledigen, hinter denen du nicht stehst, die dir aber nun mal aufgetragen werden? Wie willst du Entscheidungen im Team treffen, wenn du doch immer nur an deiner eigenen festhältst?"



Aber irgendwann ist mir aufgegangen, dass nicht ich mich selbst zwingend den Gegebenheiten anpassen muss -
ich kann auch einfach meine Lebensumstände an meine Person anpassen,

und ich denke, das ist definitiv der gesündere Weg. Sich zu verstellen, wirkt sich nicht gesund auf die Psyche aus. Das habe ich meine gesamte Jugend über gemerkt und zwischenzeitlich wieder vergessen. Oder verdrängt, weil ich dachte, dass ich einfach irgendwo reinpassen muss. Aber würde sich jeder mit meinem Wesen und meiner Denkweise der Arbeitnehmerwelt, wie sie momentan ist, anpassen, gäbe es keine Chefs und keine Unternehmen.

Ich arbeite sehr gerne und gerne auch sehr viel - solange ich dahinter stehen kann. Solange ich einen Sinn darin sehe. Ich stehe gerne freiwillig früh auf, um den gesamten Tag über gefühlt so produktiv wie möglich zu sein. Gegen fremdauferlegte Strukturen jedoch bin ich regelrecht allergisch. Es ist mein persönlicher Horror, mich fünf Tage die Woche, über mehr als vierzig Jahre hinweg, zeitlich und inhaltlich nach einem anderen Menschen zu richten. Und dann noch fremde Erwartungen zu erfüllen, sind für mich, als Menschen, der auch noch zeitweise mit psychischer Angeknackstheit zu tun hat, quasi der Tod.

Und deshalb mach ich es einfach nicht.

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Aber natürlich ist das Sträuben gegen das Angestelltensein nicht der einzige Grund für meine Entscheidung, mich selbstständig zu machen! Im nächsten Post möchte ich gerne darauf eingehen, was ich grob geplant habe, was die Bekleidungstechnik für mich persönlich bedeutet und warum ich das, was ich tue und tun werde, so liebe!