SUSTAINABILITY: Second Hand

Vor anderthalb Jahren fand in meiner Ausbildung eine Vertretungsstunde mit einer Lehrerin statt, die wir bis dahin nicht kannten. Da sie keine Aufgaben für uns erhalten hat, zeigte sie uns einen Film über die schlechten Arbeitsbedingungen in Asien. Ich weiß noch ganz genau, wie sie sagte, dass es in unserer Branche wichtig sei, sich auch mit den Schattenseiten zu beschäftigen. 
Es ist nicht so, dass ich vorher nicht gewusst hätte, dass die Arbeitsbedingungen nicht überall so aussehen wie in Deutschland. Aber beschäftigt habe ich mich nie damit. 
Während des Films war die gesamte Klasse ruhig. Doch schon in der Pause ging es wieder um die altbekannten Themen, die eine Mädchenklasse halt so hat, und das machte mich wütend. 

An diesem Tag habe ich die Entscheidung getroffen, keine konventionell hergestellte Kleidung mehr zu kaufen. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits seit fast drei Jahren bei Kleiderkreisel angemeldet und gebrauchte Kleidung zu kaufen war nun wirklich nichts Neues für mich. Ab diesem Tag im Oktober kaufte ich also nur mehr dort, und wusste doch gleichzeitig, dass es sich dabei nur um eine Zwischenlösung handeln konnte. 
Denn einerseits ist besagte Seite inzwischen sehr weit von ihrem Grundgedanken ("Stilvoll gegen Verschwendung") entfernt - natürlich finden sich vereinzelt noch Kreislerinnen, deren Motivation es hauptsächlich ist, unliebsame Kleidung ohne Gewinn loszuwerden, doch bei dem Großteil hat man leider das Gefühl, dass man mit einem Kauf ihre nächste Shoppingtour finanziert. Eine unbedachte Shoppingtour wohlgemerkt, denn es ist ja soo einfach, auf Kleiderkreisel wieder Fehlkäufe zu verscherbeln - am besten an Kreislerinnen, die den Originalpreis nicht kennen, so kann man schließlich locker nochmal Profit machen.
Auf der anderen Seite würde ich mit meinem Geld natürlich gerne Unternehmen unterstützen, die bewusst nicht konventionell produzieren lassen, um ihnen eine Chance zu geben, sich auf dem Markt zu etablieren. Und um die Nachfrage deutlich zu machen. Dazu fehlt mir momentan leider in den meisten Fällen noch das Geld. Deshalb habe ich mich mit der Zwischenlösung mit der Zeit angefreundet.



Inzwischen besteht der Inhalt meines Kleiderschrankes aus mehr als 50% Secondhand-Kleidung und die Umstellung fiel mir wirklich nicht besonders schwer. Tatsächlich war ich in den 1.5 Jahren nur einmal gezwungen, mir ein paar Schuhe für einen neuen Nebenjob zu kaufen, die bestimmte Kriterien erfüllen mussten. Nachdem auch das zweite Paar von Kleiderkreisel ein Stück zu klein war, drängte leider die Zeit dazu und es hört sich absolut bescheuert an, aber den gesamten restlichen Tag hatte ich ein schlechtes Gewissen. Soweit ist es schon mit mir gekommen :D

Ich möchte mit diesem Post nun natürlich nicht wie der Übermensch wirken. Ich kann gut verstehen, wenn es anderen schwerer fällt, auf das Einkaufen im Laden zu verzichten. Man ist nun mal wesentlich eingeschränkter, kann nicht mal eben spontan etwas kaufen, wenn es dringend benötigt wird. Aber aus Erfahrung kann ich sagen, dass man irgendwann merkt, dass "dringend benötigen" wirklich relativ ist und man seine Prioritäten mit der Zeit einfach ändert. 

Für den Fall, dass ihr euch näher mit dem Thema auseinandersetzen möchtet, habe ich noch einen Artikel für euch, der sich mit verschiedenen Secondhand-Plattformen beschäftigt und den Einstieg sicher erleichtern wird!
Übrigens: Trotz der vielen Möglichkeiten heutzutage werden allein in Deutschland immer noch 1,5 Millarden Kleidungsstücke jährlich weggeworfen! 

GREEN FASHION: WeWood

Es war Karneval 2006. Ich hatte eine pinke Perücke an, hatte mir an den Nieten, die an der Jacke eines Freundes befestigt waren, die halbe Handfläche aufgeschnitten und zu guter Letzt bemerkte ich dann noch, dass meine Uhr stehen geblieben war - weshalb ich mich viel zu spät noch auf der Straße befand, wobei ich doch schon längst nach Hause in mein warmes Bett gehörte..
Die Uhr - damals eine Fossil-Uhr, die wirklich JEDE trug (silber; hellblaues Ziffernblatt) - stand. Und stand. Ich trug sie noch etliche Monate weiter, weil ich einfach zu faul war, die Batterie wechseln zu lassen. Bis sie dann letztlich eh nicht mehr meinem Stil entsprach. Danach probierte ich es nur noch einmal ein paar Jahre später mit einer anderen Uhr, die aber immer wieder kaputt ging, bis ich es schließlich aufgab. Es machte eh so viel Spaß, Schulfreunde (Hi, Julia..) mit "wie viel Uuuhr?" zu nerven. Alle 10 Minuten.

Aber jetzt probier ich es nochmal. Wochenlang bin ich um das Modell Moon von wewood schlawenzelt und jetzt ist sie mein! Ich liebe Holzschmuck und finde, dass sie wirklich perfekt zu mir passt. Für das helle Modell habe ich mich entschieden, weil ich der Meinung bin, dass sie am ehesten zu allen Farben passt. Nur daran, dass ich nicht mehr ständig nach der Uhrzeit fragen muss, muss ich mich wirklich noch gewöhnen!



Wewood fertigt seine Uhren aus Holzabfällen der Industrie und pflanzt für jede verkaufte Uhr einen Baum in Kooperation mit der Organisation American Forests! Diese Philosophie macht die Uhr für mich nochmal ein wenig schöner :)



Zeit statt Zeug

Ostern rückt näher. Blog-Connect und Bloglovin sind voll mit Posts über bemalte Eier, festliche Dekoration und Ostergebäck.

Wer meinen Blog schon länger liest, weiß ja, dass ich es nicht so mit Feiertagen und damit verbunden Festlichkeiten habe. Ich mag natürlich die Treffen mit der Familie zu diversen Gegebenheiten und ich mag auch gutes Essen - aber dafür brauche ich ja eigentlich keinen Anlass. 
Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Geschenke immer eher persönlicher als wirklich materieller Natur waren. Meine Mutter bastelte mit Vorliebe Adventskalender, in der kleine Zeit-Gutscheine versteckt waren, für gemeinsame Stadtbummel und das erste Eis auf der Hand. Während andere Kinder nicht nur zu Weihnachten, sondern auch zu Nikolaus und Ostern haufenweise beschenkt wurden, gab es für meine Schwester und mich in den meisten Fällen ein Kuscheltier, Bettwäsche, einen Lamyfüller oder - mein Favourit - die Bibi und Tina-Kassette Folge drölftausend. Aber das war auch gut so.



Im Kleiderkreisel-Forum habe ich vor kurzem davon gelesen, dass Kinder heutzutage schon einen Oster-Wunschzettel schreiben und das ließ mich kurz vom Glauben abfallen. Und dann erinnerte mich an eine Seite, auf die ich vor einiger Zeit mal gestoßen bin und die Kombination aus diesen beiden Entdeckungen ließ mich diesen Post schreiben. 

Die Seite heißt "Zeit statt Zeug". Wie der Name fast schon sagt, beschäftigt sie sich mit den Ausmaßen des heutigen Konsums und gibt Anregungen dafür, wie man lieber ein gemeinsames Erlebnis der gleichen Themenrichtung schenkt als etwas rein materielles. Zum Beispiel: "Blumen pflanzen statt Blumenstrauß". Ich finde das eine sehr schöne Idee, die einen meiner Meinung auch noch einmal viel mehr über das zu beschenkende Gegenüber nachdenken lässt.

Außerdem seien wir doch mal ehrlich: gemeinsame Zeit sorgt für lebendigere und schönere Erinnerungen als ein Gegenstand, bringt Menschen näher zusammen und macht einfach glücklicher! 

Umzug reloaded

Blogspot hat mich wieder. Nach einem halben Jahr Geärgere habe ich Over-Blog endlich den Rücken gekehrt und ich bin mir ziemlich sicher, dass das die richtige Entscheidung war. Damals hatte man mir wegen allerlei Vorteilen den Plattform-Wechsel empfohlen und ich hatte schließlich angebissen - hauptsächlich wegen des kostenlosen Layouts. Anfangs war ich sehr zufrieden - ich hatte eine tolle Ansprechpartnerin, die sich jedem meiner Wünsche angenommen hat (danke Timea!), doch nachdem sie ihren Arbeitsplatz wechselte, wurde mir eine nur mehr englischsprechende Mitarbeiterin zugewiesen, die mehrere Wochen und Nachfragen brauchte, um überhaupt zu antworten und schließlich entschied, mich doch lieber zu ignorieren.
Versteht mich nicht falsch, ich möchte Over-Blog nicht per se als schlechte Plattform darstellen. Jedoch wurden die anfänglichen Versprechen einfach nicht gehalten, zudem fehlten nach wie vor einzelne Kommentare und auch ganze Posts. Und es wurde nichts unternommen, um das zu ändern. Abgesehen davon habe ich mich auch nach all den Monaten nicht mit der Handhabung der Seite anfreunden können und dazu kam noch eine fehlerhafte Seitenansicht..  hach, Leute. Schon während ich diesen Beitrag in dem guten alten Blogspot-Editor schreibe, bin ich froh, dass ich wieder hier bin.

Mit einem neuen Layout, neuen Ideen, neuer Motivation. Denn mal ehrlich - so wie das hier die letzten Wochen lief, damit war auch ich nicht zufrieden. Doch irgendwie fehlte mir die Muße, mich hinzusetzen und etwas zu ändern. Eigentlich habe ich sogar überlegt, den Blog einfach aufzugeben. Denn ich weiß, dass ich ihn nicht so führen kann, wie ich das eigentlich möchte. Das haut zeitlich leider nicht hin. Aber da ich mir mein Leben momentan so ganz ohne diesen Blog auch nicht vorstellen kann, muss ich halt einfach meine Einstellung dazu ändern. Und das probiere ich nun. 

Ich hoffe, ihr begleitet mich auch dem Weg! 

Übrigens konnte ich die Kommentare aus dem letzten halben Jahr nicht mitnehmen. Ich habe deshalb ein paar Stunden geopfert und copy/paste gespielt.. man, war das ein Spaß.

Und damit der Post nicht bilderlos bleibt..


LIFE: Ein Vierteljahrhundert

25. Ich schreibe heute ein Vierteljahrhundert und darüber bin ich irgendwie total sprachlos. Es kann doch einfach noch gar nicht so lange her sein, dass ich mich im Kindergarten mit 4 geweigert habe, ein Sankt-Martin-Bild zu malen oder dass ich mit 7 den Schlaghosen hinterhergeweint habe, die ich dank Mama nicht haben durfte, obwohl meine beste Freundin längst welche getragen hat. Dass ich mit 10 den ersten Klavierunterricht bekam, mit 13 Jungs wichtiger fand und mit 14 Alkohol und Zigaretten für mich entdeckt habe. Dass ich mit 16 meinen ersten Blog geschrieben (nach diversen, sehr pinken, Homepages), mir mit 18 die Haare totblondiert habe und mit 21 am absoluten Tiefpunkt meines bisherigen Lebens war. Das fühlt sich alles wie gestern an.



Als ich jünger war, dachte ich, dass man mit 25 - oder eigentlich schon mit 18 - so richtig erwachsen ist. In meiner Vorstellung war es ganz selbstverständlich, dass ich mit 25 längst verheiratet bin, einer Arbeit nachgehe, mit der ich sehr viel Geld verdiene, um mir ganz viel Luxus leisten zu können, eventuell schon ein Kind habe.. und naja, größer war ich in dieser Vorstellung irgendwie auch immer.
Von diesen Punkten trifft keiner zu. Aber eins wusste ich damals ja auch noch nicht: dass das alles überhaupt nicht wichtig ist. Ich habe in meinem Leben erst sehr spät verstanden, dass ein aufrichtiger, warmherziger Charakter wichtiger ist als Leistung, und Sein besser als Schein. Dass Ecken und Kanten zufriedener machen als Perfektion, ein BMI von 16 nicht bedeutet, dass man automatisch glücklicher ist, und dass das Verdrängen von Problemen diese nicht in Luft auflöst. Und dass leben mehr bedeutet als nur zu existieren.
Hätte ich das alles früher gewusst, dann hätte ich mir sehr viele Jahre Leid, Schmerz und Kummer erspart. Aber dann wäre ich auch nicht der Mensch, der ich heute bin - das klingt abgedroschen, aber es stimmt. Ich wäre nicht ich. Ich wüsste das Glück, das ich heute habe - und eigentlich auch schon immer hatte, aber nie gesehen habe - nicht zu schätzen.
Lange Rede, kurzer Sinn: mittlerweile bin ich gerne ich. Ich bin glücklicher, zufriedener und stärker als je zuvor. Vielleicht müssen manche dafür einfach erst 25 werden!



Achtung: Aufgrund eines Plattform-Wechsels von Overblog zu Blogspot war es leider nicht möglich, veröffentlichte Kommentare mit zu übernehmen. Daher wurden alle vorhandenen Kommentare von mir via copy/paste im Nachhinein eingefügt.