DIE ERSTEN VERSUCHE.

Wie schon im letzten Post angemerkt, hab ich mich an den Pinseln versucht. Fürs erste bin ich ganz zufrieden, auch wenn meine Mutter Angst vor den Bildern hatte :D




PERFEKTIONISMUS.


Ich war vier und wollte Fahrrad fahren können - wie meine große Schwester und alle anderen älteren Kinder, die ich kannte. Ich beließ es dabei, dass ich es können wollte. Von üben wollen war keine Rede. Schon mit vier Jahren war ich verärgert und enttäuscht, wenn mir etwas nicht so gelang, wie ich es mir vorstellte; nämlich gleich beim ersten Anlauf, ohne großes Training. So war es beim Fahrrad fahren, beim schwimmen, bei neuen Spielen, die ich kennen lernte – sobald etwas nicht auf Anhieb funktionierte, hatte ich keine Lust mehr. Trotz Ermunterungen vonseiten meiner Eltern hätte ich am liebsten alles hingeworfen und mich der Sache nie wieder gewidmet.

Ich hatte mich seitdem nicht sonderlich weiterentwickelt. Ich war auf derselben Stufe stehen geblieben. Nein, vielleicht war ich sogar noch eine Stufe zurückgetreten. Denn während ich als Kind die Dinge zumindest das eine Mal testete, fing ich nun oft gar nicht erst damit an. Weil ich ganz genau wusste, dass ich es beim ersten Mal nicht so gut machen konnte, wie ich wollte. Und an dieser Stelle kam der Perfektionismus ins Spiel: Wenn ich es nicht perfekt machen konnte – ja dann wollte ich es gar nicht erst. Es gab nur Schwarz oder Weiß. Perfektion war das Ziel. Da Perfektion allerdings nicht existierte, war diese auch nicht zu erreichen. Und zu etwas, von dem man schon wusste, dass man es so oder so nicht erreichen konnte, brauchte man sich gar nicht erst auf den Weg zu machen. Dachte ich.

Und so stand der Perfektionismus meiner Selbstverwirklichung beträchtlich im Wege. Zu gern wollte ich wissen, was ich schon alles können würde, was ich alles angegangen wäre, wäre dieser Hang zum Perfektionismus nicht so tief in mir verwurzelt gewesen.

Aber vielleicht war Zufriedenheit auch einfach nicht mein Stil.

Heute stehe ich auf der Leiter der Gelassenheit ein paar Stufen höher. Ich werfe dem Perfektionismus ab und an ein lautes FICK DICH an den Kopf und versuche, mich von ihm fernzuhalten. Ein paar neue Dinge habe ich ausprobiert. Schmuck machen, Körbe flechten, malen, am Klavier selbst komponieren. Alles nicht perfekt geworden. Aber Spaß hat es gemacht. Viel mehr Spaß als sich ständig diesem freudlosen und nie zufriedenen Perfektionismus zu unterwerfen. Auch wenn ich es nicht einfach ist.