EINE KLEINER SCHWANK AUS MEINEM LEBEN.


Ich war fünf oder sechs und sehr rabiat, wenn es darum ging, meine Milchzähne loszuwerden. Mein Zahnarzt Dr. Wunderle, der mich kennt, seit ich im Bauch meiner Mutter war, war immer sehr stolz auf mich, wenn ich ihm seine Arbeit abnahm, sagte mir, wie mutig ich sei, und dann durfte ich mir etwas aus der Spielkiste aussuchen. Dafür war er auch der Einzige, der meine Schmusedecken sehen durfte. Aber eines Tages kam ich an meine Grenzen – der Zahn wollte nicht raus und als wir in die Praxis kamen, war mein Dr. Wunderle weg. Er hatte die Praxis gewechselt und hinterließ uns eine steinalte, seltsam riechende Frau Doktor.

Ich nahm auf dem Stuhl Platz und nachdem mich die Frau Doktor gefragt hatte, wie ich denn heiße und wie alt ich sei, fing sie mit ihrer Prozedur an. „Hast du schon einmal die Feen und Zwerge im Wald gesehen?“ Ich sah zuerst verwirrt meine Mutter an und dann zweifelnd die alte Frau. „Es gibt keine Feen und Zwerge. Das sollten Sie in Ihrem Alter aber schon wissen!“ – Genau auf diese Weise klärte ich mit drei Jahren auch meine 70jährige Nachbarin auf, nachdem sie mich fragte, was das Christkind mir gebracht hat. „Es gibt kein Christkind. Ans Christkind glauben nur dumme Menschen.“

„Aber stell dir doch vor, es gäbe Feen und Zwerge. Sie flattern und klettern im Wald herum und nachts fliegen die Feen zu deinem Fenster und schauen dir beim schlafen zu!“ – „Nachts sind aber meine Jalousien runter. Selbst wenn es sie gäbe, könnten sie nicht reingucken!“

Die Frau seufzte. Sie ging einen Moment nach draußen, kam wieder herein und versuchte noch einmal mir etwas von Wesen zu erzählen, die es nicht gibt. „Also, so geht das nicht. Sie kann sich ja überhaupt nicht darauf einlassen, da müssen Sie noch einmal mit ihr wiederkommen!“, wandte sie sich an meine Mutter. Sie verabschiedete sich von uns und ich kleines verwirrtes Kind fragte nur: „Mama? Wann kriege ich denn jetzt meinen Zahn gezogen?“

Nach einer ordentlichen Beschwerde bei der Zahnarzthelferin gab uns diese heimlich – denn eigentlich durfte sie es nicht - die neue Adresse meines geliebten Dr. Wunderle.

Heute, 16 Jahre später, laufen unsere Zahnarztbesuchsgespräche folgendermaßen ab: „Frau H., sie haben ja schon wieder die Haare anders! Und ein neues Piercing ist auch da!“ – „Jaaa, aber duzen Sie mich doch endlich wieder! Sie kennen mich schon seit vor meiner Geburt!“ – „Nein, nein, irgendwann kommt der Tag, an dem gesiezt werden muss!“ Leider ging es heute nicht mehr um meine Milchzähne, sondern um die bösen Weisheitszähne, die keinen Platz haben. Bis heute war ich so naiv zu glauben, dass ich von so etwas nicht betroffen sei. Pustekuchen. Aber mit einer ordentlichen Betäubung und ein bisschen Feenstaub wird das schon hinhauen. Da bin ich ganz zuversichtlich.



GEDANKEN.

"I don't like you're human
You remind me of the things I hate in me
I don't love you're human
'Cause you show me how imperfect I can be"



Wart ihr jemals an einem Punkt in eurem Leben, an dem ihr euch gefragt habt, ob das alles gewesen sein soll? Ich weiß, wir sind alle mehr oder weniger jung und haben den längsten Teil unseres Lebens noch vor uns. Aber um über Lebensqualität nachzudenken, kann man nicht zu jung sein.

Wir stehen auf, verwenden viel zu viel Zeit mit unserem äußerem Erscheinen, dem eh niemand so viel Beachtung schenkt wie wir selbst. Nehmen uns keine Zeit um vernünftig zu frühstücken, hetzen aus dem Haus und vergessen die Hälfte. Gehen zur Schule, zur Arbeit und in die Uni und fragen uns manchmal, was wir da überhaupt tun. Warum wir das überhaupt tun und welchen Idealen wir da eigentlich nacheifern, bei Dingen, die uns keinen Spaß machen. Zwingen uns zwischendurch ungesunde Snacks rein, von denen wir wissen, dass wir anschließend ein schlechtes Gewissen haben werden. Reden mit Klassenkameraden, Arbeitskollegen und Kommilitonen über oberflächliche Nebensächlichkeiten, die uns nichts geben. Stellen auf Autopilot und erinnern uns oft gar nicht daran, wie wir überhaupt nach Hause gekommen sind, aber wir sind auf einmal dort. Verbringen den Rest des Tages vor dem Laptop und fühlen uns nachher schlecht, weil wir nicht produktiv waren. Machen so viele Dinge gleichzeitig, dass wir uns auf nichts davon richtig konzentrieren können. Gehen viel zu spät ins Bett und fragen uns am nächsten Morgen, was das überhaupt alles soll. Und dann geht es genauso wieder weiter.

Ich weiß gar nicht genau, worauf ich eigentlich hinaus will. Ich ärger mich über so viele Dinge, meine schlechten Gewohnheiten, meine ungesunde Ernährung, die ganze Zeit, die ich unproduktiv und faul verbringe und die man so viel besser nutzen könnte. Die bösen Worte, die ich den Menschen, die ich am meisten liebe, unbedacht an den Kopf werfe.
Und bei dem Plan, etwas zu ändern, steht man einem Berg voll Vorsätzen und Aufgaben gegenüber und meistens steht man sich auch noch selbst im Weg.

Ich weiß nicht so recht, was ich mit diesem Text bezwecken möchte. Ich habe gerade seltsame Laune ;)