Meine Mama pflegt stets zu sagen: „Wenn du etwas an anderen Menschen nicht leiden kannst, sagt das sehr viel mehr über dich selbst aus, als über die anderen!“
Und in der Pubertät pflegte ich anschließend zu sagen: „Mama. Du spinnst.“
Aber wenn es dann irgendwann weniger uncool wird, mit den Eltern einer Meinung zu sein, denkt man auch schon mal über deren (meist kluge!) Worte nach. Und merkt – manchmal – dass sie gar nicht so Unrecht haben mit dem, was sie sagen.
In letzter Zeit sind mir da eine Reihe Beispiele eingefallen. Ich muss im Vorfeld erst einmal zugeben, dass es wirklich viele Menschen und Menschengruppen gibt, die mich irgendwie nerven, aggressiv machen, mich zur Weißglut treiben und mir unsympathisch sind. Sobald ich nach Hause komme, bekommt der Mann – oder wahlweise die Katzen – erstmal detaillierte Beschreibungen von Zusammenstößen, auf die ich locker hätte verzichten können. Das hört sich nun irgendwie schrecklich an. Aber keine Sorge (das ist eher an mich gerichtet, damit ich mich besser fühle) – eigentlich bin ich ein umgänglicher Mensch und meistens sogar echt freundlich und zuvorkommend gegenüber Fremden. Ich kann also auch anders.
Da wären zum einen also diese Personen – vor allen Dingen vorzufinden in meiner Klasse –, die alle Zeit der Welt zu haben scheinen und den Großteil dieser nach der Schule vor dem Fernseher liegend oder schlafend verbringen. Dann gibt es da ein circa vierzehnjähriges Mädchen und einen vielleicht zwölfjährigen Jungen, die ich öfter mal im Bus sehe. Die beiden kennen sich zwar nicht und werden sich vielleicht nie kennen lernen, aber für mich gehören sie zusammen. Sie haben nämlich diese eine Sache gemein, die mich wahnsinnig macht: sie machen seltsame und unkontrollierte Verrenkungen mit ihren Mündern, beziehungsweise mit ihrem ganzen Gesicht – nicht wenn sie sprechen, sondern einfach so! Wenn sie durch die Gegend gucken. Dann verziehen sie ihren Mund so seltsam, dass er beinahe ihren Haaransatz erreicht, machen komische Grimassen und merken das anscheinend nicht einmal. ABER ICH! Und ich kann da nicht hingucken! Ansonsten habe ich Angst, dass ich plötzlich unkontrollierte Zuckungen in meiner Faust bekomme und … wahrscheinlich kann das niemand von euch nachvollziehen oder? Zwei andere Beispiele habe ich noch: wenn ich auf Blogs Wunschlisten beziehungsweise Wunsch-schon-längst-erfüllt-Listen sehe, sponsored by Mami und Papi. Und ich rede dann natürlich von Mädels fernab der vierzehn. So in meinem Alter. Und dann gibt es da noch diese perfekt durchorganisierten, extrem zielstrebigen und selbstdisziplinierten Bloggerinnen, die alles zu schaffen scheinen, was sie sich so vorgenommen haben und an denen ich sehr gerne kein gutes Haar lasse – natürlich nur in meinem Kopf oder halt mal wieder gegenüber René. Oder den Katzen.
„Na Mama, Wat soll dat jetzt hier alles bitte über mich aussagen, he?!“, hätte ich früher gefragt. Aber inzwischen weiß ich es und vielleicht könnt ihr es euch ja auch schon denken?
Die total entspannten Buddhas in meiner Klasse? Ich beneide sie. Ganz unglaublich. Nicht unbedingt um den Fakt, dass sie Zeit zum „nichts tun“ zu haben scheinen. Sondern darum, dass ihnen das nichts tun so gar kein schlechtes Gewissen macht! Ich für meinen Teil fühle mich schon destruktiv und nichtsnutzig, wenn ich sonntags zu lange am Frühstückstisch sitze. Niemals (!) könnte ich mich nach der Schule hinlegen und einen mehrstündigen Mittagsschlaf halten, ohne mich anschließend zu zerfleischen und das nicht zu knapp!
Die perfekten Zielstrebigen dagegen? Die bringen mein Selbstwertgefühl ins Wanken, weil ich nämlich, obwohl ich mich mittags nicht hinlege, produktiv-technisch doch niemals an die rankommen könnte, egal wie sehr ich es versuche (tu ich wahrscheinlich, aber das sehe ich halt nicht.).
Die sponsored girls? Nein, ich bin nicht neidisch auf das Geld, ehrlich nicht! Weil ich es nämlich auch haben könnte, und da haben wir es schon: meinen falschen Stolz. Ich bin so darauf erpicht, selbstständig und unabhängig sein zu wollen, dass mir schon fünfzig geliehene Cent der Eltern ein schlechtes Gewissen machen und somit gleich auf meine imaginäre Liste mit dem Titel „nur geliehen!! Unbedingt zurück zahlen, sobald du in zehn Jahren mal flüssig bist!“ kommen.
Okay, das war eventuell alles ganz leicht. Was hat es mit den beiden Mund-Menschen auf sich? Riiichtig – ich glaube von mir selbst, auch so eine Gesichtskirmes zu sein. Ich schaue nämlich immer unheimlich angestrengt vor mich hin. Einmal habe ich aus Versehen auf die Webcam geklickt und in ein unglaublich zerknautschtes Gesicht geblickt, welches nichts, wirklich GAR nichts, mit den Bildern zu tun hat, die ihr hier immer mal seht. Ich habe mich so unglaublich erschrocken, dass ich seitdem penibel darauf achte, mein Gesicht unter Kontrolle zu halten. Jetzt wisst ihr es.
Ich gebe meiner Mama also Recht. Was einen an anderen Menschen aufregt, hat wirklich immer viel mehr mit einem selbst zu tun. Und welche klugen Sätze hat(te) sie sonst noch so drauf? „Kind, du bist kein Typ für ein Studium. Sowas ist viel zu trocken für dich!“ / „Zieh dich warm an, du musst auf deine Blase aufpassen!“ / „Wenn jeder Gegenstand seinen festen Platz hat, hast du viel weniger zu tun!“ / „Wenn du jeden Tag ein bisschen was tust, ist der Haushalt gar nicht so anstrengend!“ / „Kannst du was dran ändern? Nein? Dann ärger dich auch nicht drüber.“ / „Es ist nicht wichtig, wie oft ein Mann dir sagt, dass er dich liebt. Wichtig ist, dass du es merkst, wenn es drauf ankommt!“
Aber das kennt ihr sicher..
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